18. April : Walvis Bay / Namibia
Heute nun also Namibia ! Irgendwie hat sich dieses Land bisher nicht so gut bei uns auf unserer Weltreise eingeführt.
Zunächst einmal hat Namibia für diverse Nationen, also eigentlich fast alle, die sich auf unserem Schiff befinden, sehr überraschend seit dem 01. April eine Visumspflicht eingeführt.
Leider war es bisher nicht so einfach, mit den nahezu täglich wechselnden Anforderungen Schritt zu halten. Zunächst sollte jeder Passagier für fast 100 € im Vorfeld online ein Visum beantragen. Da gab es jede Menge Beschwerden, denn wenn man als Kreuzfahrt-Passagier nur ein paar Stunden im Land ist, sind 100 € Eintrittsgeld schon eine ganze Menge Holz, zumal der Betrag auch für Kinder jeglichen Alters gelten sollte und auf der anderen Seite Touristen, die hier einen 3 Wochen Urlaub verbringen wollen, auch „nur“ 100 € bezahlen müssen. Für uns wären die 100 € okay, aber für eine 4köpfige Familie kommt da schon ein Sümmchen zusätzlich zum eigentlich Ausflug zusammen.
Dann wurde die Visa-Gebühr für eintägige Kreuzfahrt-Touristen auf 15 € gesenkt. Das Online-System zur Beantragung des Visums hingegen war weder hinsichtlich der abgefragten Informationen auf Kreuzfahrer ausgerichtet noch für den Ansturm der Anfragen ausgerüstet und letztlich wurde dem Schiff gestattet, ein Gruppen-Visum für alle Passagiere zu beantragen.
Dabei wird aber dennoch durch MSC für jeden einzelnen Passagier ein Einreisevisum angefragt. Eine Kopie der erteilten elektronisch erteilten Einreisevisa wurde uns dann gestern Abend auf die Kabine geliefert. Leider hatten nicht alle so viel Glück. Zum Teil hatte MSC wohl vergessen, die Visa zu beantragen, teilweise wurden die Visa wohl durch Namibia nicht erteilt.
Wohl ca. 100 Leute werden das Schiff dann schlussendlich heute nicht verlassen können – wie ärgerlich!
Ausserdem müssen wir durch eine Face to Face Kontrolle vom Schiff, d.h. Detlef zeichnet sich auch heute wieder durch seine Berlinale Anstehqualitäten aus und stellt sich um 4:15 Uhr mit seinem Klapphöckerchen vor die Bar und ist damit nicht nur meine Nummer 1! 😉 Wobei so früh jetzt schon übertrieben ist, aber er meint, er könne ohnehin nicht mehr schlafen.
Die Nummer 2 erscheint um kurz vor 5 – ebenfalls gut gerüstet für die Öffnung der Passkontrolle um voraussichtlich 9 Uhr!

Als ich Detlef um 6:30 Uhr ablöse, damit er frühstücken gehen kann, ist es schon etwas voller. Leider schleppen die Leute Hocker und Stühle aus allen möglichen Restaurants heran und überlassen es dann aber dem armen Personal, alles wieder an seinen ursprünglichen Platz zu bringen.

Pünktlich öffnen sich um kurz nach 9 die Bartüren und wir dürfen zur Passkontrolle. Dieses Mal ist etwas mehr Personal vorort, leider noch nicht so versiert. Bei mir gibt es Probleme, weil meine Bearbeiterin nicht weiss, wie sie den Einreisestempel auf das richtige Datum umstellen soll und ihre Nachbarkollegin mit dem Werkzeug auch noch nicht so richtig umgehen kann. Na, eben noch ganz frisch das Prozedere.
Wir haben noch ein bisschen Zeit, bevor wir um 10 Uhr unseren heutigen Guide treffen werden.
Von unserem Balkon aus haben wir einen ersten Ausblick auf die Walfischbucht, in der sich um diese Jahreszeit aber keine Walfische tummeln. Lediglich ein paar Seelöwen haben wir bei der Einfahrt bereits gesehen.



Irgendwie erwarte ich von Namibia nicht viel. Die ganze Zeit auf dem Weg nach Namibia war es eher neblig, auch heute Morgen erscheint es trüb. Lediglich die Palmen und ein erster Ausblick auf die Wüste in der Ferne machen mich neugierig. Ich bin schon ganz schön verwöhnt durch die vorherigen Destinationen.
Na mal gucken, was der Tag so bringt.
Am Hafenausgang erwarten uns so einige Tourenanbieter, aber wir haben ja glücklicherweise Vernon vorreserviert.






Vernon ist Mitte zwanzig und bei seinem Chef quasi als Mädchen für alles angestellt. Mal montiert er Marketing Gimmicks für namibische Brands zusammen, mal fährt er seit Januar diesen Jahres bei Bedarf Touristen durch die Gegend. Je nachdem, was benötigt wird.
Obwohl noch frisch im Geschäft und ohne Ausbildung macht er seine Sache großartig. Wir haben einen 3stündigen Ausflug mit ihm gebucht und zunächst geht es für uns an den Pink Lake.
Hier verbindet sich das sehr salzhaltige Wasser mit Algen und bildet die rosa Farbe aus.
Das Wasser fühlt sich irgendwie weicher an und schmeckt wirklich auch seeehr salzig. Das ungereinigte Salz erinnert schwer an geräumten Schnee am Straßenrand von Berlin.



Das Werk zur Verarbeitung des Salzes findet sich gleich nebenan.



Danach gucken wir uns die rosa Flamigos an, die leider allesamt beim späten Frühstück und daher nur mit dem Kopf nach unten abzulichten sind. Lediglich einmal erwische ich einen kleinen Moment des Flamingo-Aufruhrs.



Wir fahren die Küstenstraße entlang, vorbei an schönen Strandhäusern und bewundern die beginnende Wüste.



Vernon biegt dann nochmal von der Straße ab und will uns Bird’s Paradise zeigen. Wir sind völlig off-road und auf meinen Hinweis, ob er den Polo für ein geeignetes Fahrzeug für diese Art von „Weg“ (welcher Weg??) halte, lacht er nur. Er wäre schon öfter hier gewesen und ich solle mir keine Sorgen machen. So so ….
Wir fahren zu einem kleinen Seegebiet und entdecken in der Tat so einige Vögel, darunter riesige Möwen ….






Ich entspanne mich allerdings erst, als wir und vor allem das Auto wieder auf der Hauptstraße ankommen.
Jetzt also auf in die Wüste zur Düne 7.






Diese Düne ist so riesig, dass sie mit einigen anderen Groß-Dünen des Landes nicht wandert und man daraus eine kleine touristische Attraktion gemacht hat, die Eintritt kostet und auch bestiegen werden darf.
Aufgrund unseres wie immer straffen Zeitplans verzichten wir auf das Erklimmen des Sandbergs und genießen die Wüste von unten. Wüste finde ich immer wahnsinnig faszinierend und ich kann mich nur sehr schwer lösen.
Aber wir wollen wir ja noch nach Swakopmund und gucken, welche Überreste sich aus der deutschen Kolonialzeit finden. Auch heute können die Kinder noch Deutsch in der Schule lernen und von der (Ur)großeltern Generation sprechen auch noch so einige Deutsch.
Auf dem Weg in die ca. 30 km entfernte Stadt kommen wir an so einigen kleinen Ortschaften vorbei, wo sich jeweils verschiedene Stämme angesiedelt haben. Ausserdem sehen wir viel Industrie, die die reichen Bodenschätze von Namibia bearbeitet und transportiert. Kürzlich wurde sogar Öl gefunden, so dass hier der nächste wertvolle Rohstoff wartet.



Als wir dann Swakopmund erreichen, ist unsere 3stündige Ausflugszeit eigentlich schon fast aufgebraucht.
Wir staunen über die vielen deutschen Straßenschilder und Häuserbeschriftungen und fragen, ob wir einen kleinen Bummel durch die Stadt machen dürfen. Wir verabreden uns 40 min später wieder am Auto und schlendern durch die Straßen. Es ist Karfreitag und die Straßen einigermaßen leer, aber auch die meisten Geschäfte sind geschlossen. Wir bekommen dennoch einen Eindruck, wie das ganze vor vielen Jahrzehnten mal ausgesehen haben muss.






Vernon hat noch einen Besuch an der Mole auf seiner Liste, wo wir am Wasser einen kleinen Snack genießen wollen.
Wir spazieren noch ein bisschen durch die kleine Innenstadt, sehen den Leuchtturm, das „White House“ für das Stadtparlament und ein paar lustige Vögel.



An der Mole tummeln sich heute am Feiertag auch viele Einheimische und es gibt musikalische Darbietungen.



Wir entscheiden uns für das Stammtisch-Restaurant und laden Vernon ein, uns Gesellschaft zu leisten. Nach kurzem Überlegen nimmt er an und berät uns bei der Auswahl von namibischen Snacks und lokalem Bier.






Mittlerweile fühlt es sich an, als wären wir mit einem netten Bekannten unterwegs. Vernon erzählt uns, dass er heute das erste Mal auf den Vater seiner Verlobten treffen wird, der über die Osterfeiertage aus Südafrika angereist ist und dass er mächtig aufgeregt ist, einen guten Eindruck machen zu wollen.
Ob er deshalb so großzügig mit seiner Zeit ist ? Um das Treffen mit dem Schwiegervater in spe hinauszuzögern ? 😉
Das Essen ist auf jeden Fall sehr lecker und Vernon liefert uns nach satten 5,5 Stunden mit vielen Eindrücken über Land und Leute wieder am Schiff ab!
Wir wünschen ihm viel Glück für sein Kennenlernen mit Schwiegervaddern , aber wenn er so sympathisch auftritt, wie wir ihn kennenlernen durften, mache ich mir gar keine Sorgen.
Er hat auf jeden Fall sehr dazu beigetragen, dass mir unser Besuch in Namibia in allerbester Erinnerung bleiben wird.
Bei unserer Rückkehr aufs Schiff scheint noch ein bisschen Verwirrung darüber zu herrschen, welche Aktivitäten für unsere offizielle Ausreise nötig sind. Ich drängele mich dem Beamten fast ein bisschen mit meinem Pass auf und bekomme einen Ausreisestempel in den Pass. Später wird es einen „offiziellen“ Aufruf über die Bordlautsprecher geben, dass alle, die noch keinen Ausreise-Stempel bei der Rückkehr aufs Schiff erhalten haben, sich doch bitte noch einen abholen sollen.
Na ja, müssen die lokalen Behörden noch ein bisschen üben.
Jetzt folgen 7 Seetage und dann werden wir in Dakar anlegen und danach neigt sich unser Abenteuer langsam dem Ende zu. Das ist mindestens ebenso unglaublich wie die ganze Reise selbst ….
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