16. April : Kapstadt
Unsere Einfahrt in den Hafen von Kapstadt findet leider noch im Dunkeln statt.
Aber auch im Morgengrauen glitzert die Stadt bereits recht vielversprechend und man kann direkt den Tafelberg sehen.



Um 9:30 Uhr sind wir mit unserem Guide, Mr. P., verabredet. Die Kommunikation mit ihm war im Vorfeld ein bisschen mühselig, denn man musste ihm quasi jedes Detail unseres Treffens durch Fragen aus der Nase ziehen. Hoffentlich erweist er sich im realen Leben als etwas professioneller.
Zumal unsere Zeit in Kapstadt ohnehin ganz schön eingekürzt wurde. Die Passbehörde möchte um 17 Uhr Feierabend machen, obwohl wir erst um 18 Uhr ablegen wollen. Da wir mit längeren Schlangen für die Ausreiseformalitäten rechnen sollen, bedeutet das, dass wir um 16:00 Uhr bereits wieder von unserem Ausflug zurück sein müssen! 🙁
Am Hafen werden wir von fröhlicher lokaler Musik empfangen, die gleich gute Laune macht.
Leider verspätet sich Mr. P. – der eigentlich Patrick heißt – dann auch noch fast um eine halbe Stunde. Nach dem ersten Aufeinandertreffen geht dann gleich erstmal meine Klischeeschublade auf.

Hoffentlich ist der Typ etwas weniger gechillt als er auf den ersten Blick wirkt. Wir müssen pünktlich zurück zum Schiff sein – bis heute habe ich mir da noch nie wirklich Sorgen gemacht.
Im Auto gibt es dann den ersten kleinen Dämpfer für Detlef. Eigentlich wurde uns gesagt, dass wir unbedingt gleich morgens zuerst auf den Tafelberg sollen, da er ansonsten oft am Nachmittag wolkenverhangen ist. Es breitet sich das sogenannte Tischtuch über ihm aus.
Patrick allerdings hat den Plan umgestellt. Da derzeit mit 1,5 Stunden Wartezeit für die Seilbahn zu rechnen ist, möchte er uns erst andere Sehenswürdigkeiten von Kapstadt zeigen und dann nachmittags mit uns auf den Tafelberg. Die Wettervorhersage erwartet auch einen wolkenfreien Himmel für den Nachmittag und ich finde den Plan ganz vernünftig, bevor wir unsere knappe Zeit mit Anstehen verschwenden. Detlef hingegen ist enttäuscht. Für ihn ist der Tafelberg das wichtigste Ausflugsziel in Kapstadt.
Patrick hat eine App, mit der er die aktuelle Wartezeit prüfen kann, so dass wir uns immer über die aktuelle Wartezeit informieren können. Und Detlef wird diese Information heute auch mindestens im Halbstunden-Rhythmus nachfragen, selbst wenn wir gerade auf einer Schnellstraße fahren und der Fahrer besser nicht aufs Handy gucken sollte oder wenn es später im Nationalpark gar kein Netz geben wird ….. Detlef kennt da heute keine Gnade ….
Patrick erweist sich durchaus als versierter Reiseführer und kann alle geschichtlichen Daten und Informationen herunterrattern.
Im Gegensatz zu unseren bisherigen Reiseführern wird er dabei aber total unpersönlich bleiben und ich erwische mich teilweise dabei, dass seine Ausführungen an mir vorbeirauschen, weil es einfach keine Möglichkeit zum Austausch gibt. Wenn ich es dann doch mal schaffe, eine Zwischenfrage zu stellen, sollte es besser keine irgendwie kritische sein. Die wird sofort abgebügelt. Patrick malt das Bild der gleichberechtigten Regenbogengesellschaft, ohne Probleme zwischen den verschiedenen Hautfarben, ohne gesellschaftliche Ausgrenzungen, ohne soziale und / oder wirtschaftliche Schwierigkeiten etc.
Ich finde das schade, weil ich das bisher anders erlebt habe. Kann ihm das aber auch nicht ankreiden, denn wir haben ihn ja gebucht, damit er uns die Schönheiten von Kapstadt zeigt. Und das macht er!
Das erste Ziel ist mein Lieblingsziel – die Pinguine von Boulder’s Beach!



Hier ist der einzige Ort, an dem es Brillen-Pinguine gibt. Sie haben einen rosa Kreis um ihre Augen und sehen daher aus, als hätten sie eine Brille auf.
Landschaftlich ist der Strand wunderschön gelegen.



Wir können noch ein paar flauschige Jungtiere bewundern und ein Pinguin-Paar brütet sogar noch ein Ei aus – ein kleiner Nachzügler.



Gut gefällt mir auch der Pinguin, der sich direkt vor dem Eingang des Souvernir-Geschäfts ein kleines Loch gegraben hat – andere Geschäfte haben einen Wachhund 🙂 !

Danach geht es weiter über einige Aussichtspunkte zum Cape of Good Hope Nationalpark. Hier werden wir von einem Baboon begrüßt.



Neben reichlich Pavianen, die auf der Straße lagern und neben der Straße umher laufen, sehen wir auch noch einen Strauß. Die Affen kommen so nah ans Auto, dass ich das Fenster doch lieber wieder hochkurbele. So nah sind sie mir dann doch nicht so ganz geheuer ….





Es gibt das „offizielle“ Foto am Schild zum Kap der Guten Hoffnung, wobei der Wind ordentlich bläst, wie man an meiner aufgepumpten Bluse sehr gut erkennen kann 😉



Danach gehts zum Cape Point und wir fahren mit der Funiculare nach oben zum Leuchtturm. Ein eindrucksvoller Blick aufs Meer. Hier knallt das Meer wirklich an die Felsen! Da kann ich mir schon vorstellen, dass das eine oder andere Schiff an den Klippen zerschellt ist.






Wir erstehen noch einen kurzen Lunchsnack, den wir trotz Warnung erfolgreich verteidigen und zum Auto transportieren. Bei der Ausfahrt aus dem Nationalpark erspähe ich noch eine blühende Kaprose – die Nationalblume Südafrikas. Ich springe nochmal schnell aus dem Auto und halte diese Schönheit im Bild fest. Die anderen sind leider alle schon verblüht. Hier naht ja auch der Winter.



Wir fahren weiter über den Chapman’s Peak Drive. Eine Sightseeing-Schnellstraße mit schönen Aussichtspunkten. Zum Teil sieht man kilometerlange weiße Sandstrände, an denen sich aber maximal ein paar Reiter und gelegentlich ein paar Surfer finden. Das Wasser des Atlantik hat leider nur ca. 10 Grad und ist damit viel zu kalt für einen Badeurlaub.



An anderen Stellen gibt es tolle Aussichtspunkte, an denen auch Händler ihre selbstgemachten Waren feilbieten.






Im Anschluß soll es aber endlich auf den Tafelberg gehen. Die Anstehzeit beträgt immer noch ca. 1,5 Stunden. Ich erwähne, dass ich versucht hatte, im Internet online „Tickets ohne Wartezeit“ zu erstehen, aber leider nichts gefunden hätte. Doch, doch, meint Patrick, es gibt Fast-Track-Tickets, mit denen man sofort auf den Berg kann. Kosten das Doppelte des Normalpreises. Na da strahlt aber jemand in unserem Auto! Die Auffahrt mit der Seilbahn auf den Tafelberg ist gesichert!
Ich beschließe, mir die Auffahrt zu schenken. Ich hatte heute schon so viele tolle Ausblicke von oben und wackelnde, in der Luft hängende Waggons bereiten mir ja ohnehin wenig Freude ….. , aber ich freue mich für Detlef, dass sein Wunsch trotz des straffen Zeitplans doch noch in Erfüllung geht.


Als wir ankommen, ist die „normale“ Warteschlange wirklich endlos, aber Detlef ersteht schnell sein Fast Track Ticket und ist mit ca. 15 Minuten Wartezeit dann oben.
Mein Blick von meinem Wartepunkt nach oben und nach unten:


Detlef’s Aufstieg mit der Seilbahn ist um einiges höher, andere klettern auch zu Fuß nach oben.




Immerhin handelt es sich um eines der neuen 7 Naturweltwunder – wusste ich auch nicht. Die Schlange zum Runterfahren kostet dann auch noch ein bisschen Zeit.


So bleiben uns nur noch wenige Minuten, um das ehemalige Sklaven-Viertel Bo-Kaap zu erkunden. Vor Begeisterung über ihre Befreiung haben die ehemaligen Sklaven ihre Häuser in bunten Farben angestrichen und die heutigen Hausbesitzer führen diese Tradition fort.



Es ist das Viertel, das auch auch heute noch für Freiheit stehen will, daher finden sich auch aktuelle Botschaften an den Häusern.

Hauseingänge sind mit Menschen aller Nationen bemalt, die Südafrika zu ihrer Heimat gemacht haben.



Hauptsächlich sind in den bunten Häusern aber Kunstgalerien untergebracht, die z. T. mit recycelten Materialien – gerne bunte Nespressokapseln – kleine und große Kunstwerke geschaffen haben.




Hier hätte ich gerne noch mehr Zeit verbracht, aber es ist Zeit für unsere Rückkehr zum Schiff.
Eigentlich hätte auch noch ein Abstecher auf ein Weingut mit Kostprobe auf dem Programm gestanden, aber den Programmpunkt hatten wir gleich zu Beginn unseres Ausflugs gestrichen. Wir hatten einen schönen Tag in Kapstadt und mit Patrick einen Reiseführer, an dem es eigentlich nichts zu bemängeln gab außer der morgendlichen Verspätung, aber der dennoch in meinem „Private Guides“-Ranking einen der unteren Plätze belegen wird.
Die Schlangen an der Ausreisekontrolle sehen einigermaßen übersichtlich aus, so dass Detlef noch das freie WLan im Hafengebäude nutzt, um ein paar Bücher auf seinen Kindle zu laden. Jetzt folgen 7 Seetage, da braucht man ausreichend Lesestoff.

Auf dem Schiff bekomme ich noch eine WhatsApp Nachricht von dem wunderbaren Guide aus Port Elizabeth , Mike, wie uns Kapstadt gefallen hätte. Er hätte an uns gedacht ! – Und wir definitiv auch an ihn, er hätte dieser schönen Stadt trotz des Zeitdrucks bestimmt auch noch einen extra schönen Glanz verliehen … Na vielleicht ja irgendwann einmal ….
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