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03. April : Male – Malediven : Ankunft einen Tag früher als geplant

03
Apr., 2025

Nach nur 6 Seetagen kommen wir einen Tag früher als geplant in Male an. Nachdem der Kapitän vorgestern verkündet hatte, dass es wegen der ruhigen See und ordentlicher Motoleistung seines „Little Pretty Ships“ nur sechs statt sieben Seetage werden, überlegen wir, was wir mit dem geschenkten Tag anfangen könnten.

Für den nun zweiten Tag auf den Malediven haben wir über MSC bereits einen Schnorchelausflug in ein Resort gebucht, den wir nicht mehr stornieren können. Insofern kommt für uns eine Overnight Buchung auf einer maledivischen Insel eigentlich nicht wirklich in Frage. Zumal die Resorts für eine einzige Nacht Preise um die 1.500 – 2.000 Euro aufrufen und wenn wir dann noch die Kosten für den nicht angetretenen Schnorchelausflug dazurechnen …..

Auch wenn uns alle Malediven-Kenner von einem Besuch der Hauptstadtinsel Male abraten , wir haben bei Alison’s morgendlichen Lektionen eigentlich ein paar nette Attraktionen gesehen, die vielleicht einen Besuch wert sein könnten.

Also prüfe ich die üblichen verdächtigen Anbieter Plattformen und finde die große Male Entdecker-Tour , die mit einem privaten Guide angeboten wird und tolle Bewertungen hat.

Und tatsächlich, Mahmood hat Zeit für uns.

Er ist 34 Jahre alt, verheiratet mit einer geschiedenen Frau und Vater eines Stiefsohns und eines eigenen Sohns. Er ist praktizierender Muslim, wie wir heute noch erleben werden.

Ramadan ist seit Ende März vorbei, aber Mahmood hängt noch 6 Tage Fasten an, um ein paar „credit points“ für alle Fälle zu sammeln.

Übrigens sind die Malediven ein rein islamisches Land, d.h. es gibt wirklich keine anderen Glaubensrichtungen / Kirchen o. ä. . In der Verfassung ist verankert, dass die Zugehörigkeit zum Islam Voraussetzung für die Staatsbürgerschaft der Malediven ist. Sollte man konvertieren wollen, muss man auch die Staatsbürgerschaft abgeben.

Aber Mahmood erscheint dennoch relativ emanzipiert im Alltag. Seine Frau macht die Verwaltung und Werbung für sein frisch gegründetes Sightseeing Business. Und er scheint wahnsinnig stolz auf sie, beschreibt sie als mega-schlau und betont, dass sie während ihrer Ausbildung überall die Klassen- / Studienbeste gewesen sei. Leider hat die erste Schwangerschaft / Ehe einen Studienabschluß verhindert, was er sehr bedauert und auch nicht ausschließt, dass sie das Studium doch nochmal aufnimmt.

Zuhause wäre er für die niederen Arbeiten in der Küche eingeteilt, würde die Küche aufräumen, wenn seine Frau fertig gekocht oder gebacken hätte oder sei ansonsten maximal zum Schnippeln und für Hilfsarbeiten qualifiziert.

Wir starten unsere Tour am Hafen von Male, wo wir am Pier ankommen, das ansonsten von persönlichen oder offiziellen Gästen des Präsidenten genutzt wird, nachdem wir von unserem Schiff 10 min zum Hafen tendern müssen.

Unser erstes Ziel ist der Obst- und Gemüsemarkt. Nahezu alles muss importiert werden. Mahmood kauft uns nach sehr gründlicher Auswahl ein paar kleine lokale Bananen und frische Datteln, die wir unbedingt probieren müssen und die sich als wirklich süß und lecker herausstellen.

Nächste Station ist der Fischmarkt, der bei 34 Grad Aussentemperatur sehr intensiv riecht. Wo der Fisch aber dennoch sehr frisch aussieht und direkt vorort von fleißigen Mitarbeitern für die spätere Verwendung in der Küche vorbereitet wird.

Der Fisch wird übrigens auch professionell nicht mit Netzen gefangen, sondern jeder Fisch einzeln mit Haken und Schnur. Was für ein Aufwand, da ist „Überfischung“ dann wahrscheinlich kein Thema in den hiesigen Gewässern.

Nach den kulinarischen Eindrücken gucken wir uns die kleine alte Freitagsmoschee aus dem 17. Jahrhundert an. Detlef geht auch hinein, ich habe keine Lust, mich bei dem super heißen und mega schwülen Wetter noch zusätzlich mit fremden Stoffen verhüllen.

Zur Moschee gehören auch ein Friedhof mit Mausoleen der alten Königsfamilien und natürlich ein altes Minarett.

Weiter geht es zum Sultan-Park. Eine kleine Oase im Zentrum der Hauptstadt und früher sind die Könige hier auch wirklich spazieren gegangen. Wir kommen auch noch am Denkmal zum Gedenken an die Opfer des Anschlags durch die Tamilen vorbei, der missglückte, weil das Militärzentrum nicht eingenommen werden konnte.

Im Park hören wir den Ruf des Muezzin aus der benachbarten modernen Moschee, die auch gleichzeitig als Kongresszentrum und für Veranstaltungen genutzt wird. Mahmood erklärt uns, dass er jetzt 3 Stunden Zeit hat, das Gebet wahrzunehmen.

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Für uns geht es aber erst einmal weiter mit dem Auto ein bisschen aus der Innenstadt heraus, was mich besonders freut, denn die Temperaturen und die Schwüle sind wirklich anstrengend.

Unser nächster Halt ist einer von zwei künstlich aufgeschütteten Stränden von Male. Direkt daneben liegt die König Salman Moschee – von Saudi-Arabien gesponsert und daher nachdem dortigen Oberhaupt benannt. Sie fasst ca. 10.000 Gläubige.

Ich genieße den Luftzug am Strand, an dem einige einheimische Familien baden und wo wir uns eine kleine Erfrischung gönnen. Auch hier zahlt Mahmood wieder – zumal wir keine einheimische Währung haben – und gönnt sich selbst wegen seines Fastens nichts. Na ja, das müssen wir dann nachher mit dem Trinkgeld wieder ausgleichen.

Mahmood hat sich vorgenommen, uns ein komplettes Bild von Male zu zeigen. Wir sollen also auch die Außenbezirke kennenlernen, in die sich ansonsten wirklich keine Touristen verirren. Er bietet seine Touren erst seit Februar an und hatte bisher noch nicht mal 10 Kunden. Aber er glaubt an sein Geschäftsmodell und wir mögen es auch. Für den Start hat er in einen Toyota investiert und das schwierige ist nicht, das Kapital für das Auto zu besorgen, sondern die Lizenz für einen Autokauf zu erwerben. Man muss nämlich einen festen Parkplatz nachweisen. Das führt zu sehr merkwürdigen Konstrukten. Mahmood wohnt in Males Innenstadt, hat aber einen Parkplatz in einem der Neubaubezirke, die zig Kilometer entfernt liegen und stellt auch wirklich seinen Wagen jeden Abend dort ab und muss dann selbst wieder nach Hause in die Innenstadt fahren. Für diesen Platz muss er monatlich 120 € hinblättern, wobei die Miete für seine 50 qm Wohnung nur ca. 300 € kostet.

Nach einer kurzer Autofahrt stoppen wir am Fährterminal und setzen mit der Fähre über zum Aussenbezirk Valimale.

Hier dürfen nur Elektrofahrzeuge fahren und es ist alles viel entspannter als in der Innenstadt. Auch die öffentlichen Busse sind elektrobetrieben.

Lustig finde ich auch die Hängematten-artigen Wartebänke, die überall zu finden sind. Hier würde ich mich zwar nicht mal mit einem Viertel meines Gewichts drauftrauen, aber sie werden von vielen Einheimischen genutzt und so entspannt man gleich nochmal ein bisschen mehr während der Wartezeit.

Wir machen eine kleine Busrundfahrt über die idyllische Insel und natürlich hat Mahmood wieder alle Fahrtentgelte übernommen.

Ausserdem entdecken wir unser Schiff und sehen, dass eine Brücke von Male zum Bezirk Vilamale gebaut wird, die den Fährverkehr ein bisschen entlasten soll, wobei die 10minütige Fahrt Spaß macht, zumindest solange ich nichts weiter transportieren muss und die Fähren kommen wirklich im 10 Minuten Abstand.

Nach der kleinen Busrunde schlendern wir noch ein bisschen durch den Bezirk und sehen so einige einheimische Familien, die dieses Mal am natürlichen Sandstrand ein gemütliches Picknick machen und in der Lagune schwimmen gehen. Die Frauen natürlich alle vollständig bekleidet.

Dann gehts mit der Fähre wieder zurück und während Mahmood unser Auto holt und den Innenraum schon mal mit Hilfe der Aircondition auf erträgliche Temperaturen abkühlt, machen wir einen Abstecher zum Tsunami – Denkmal, das an den letzten Tsunami erinnert, bei dem auch mehrere Menschen von den Malediven den Tod gefunden haben.

Wir fahren in den nächsten Bezirk von Male, der auch den Flughafen und das Becken für die Wasserflugzeuge beherbergt. Das „Becken“ sieht aus als könne man dort direkt seinen Urlaub schon mal starten. Leider sehen wir keine Wasserflugzeuge. Aber für die Nachtflüge soll hier abends richtig was los sein. Ohne Flugzeuge und Schnellboote wären die ganzen Atolle mit ihren Urlaubsresorts auch einfach viel zu weit weg. Z.T. muss man nochmal bis zu 2 Stunden fliegen, wenn man in Male gelandet ist. Die Inselkette ist wirklich lang.

In diesem Bezirk baut die Regierung viele neue Wohnungen und wir sehen riesige Hochhaus-Komplexe, die mir persönlich nicht so gefallen, aber man versucht immer noch so einige Grünflächen unterzubringen. Ausserdem hat man aus den oberen Stockwerken sicherlich einen grandiosen Blick aufs Meer.

Mahmood hat hier übrigens seinen Parkplatz!

Plötzlich biegen wir in eine Nebenstraße ab und neben mir öffnet sich die Autotür automatisch. Während ich noch verdattert darüber nachdenke, ob ich versehentlich an irgendeinen Knopf gekommen bin, erklärt uns Mahmood ohne jede Vorwarnung, dass gleich seine 3 Stunden für das Mittagsgebet ablaufen würden und wir doch einen kurzen Spaziergang im gegenüberliegenden Park machen sollten. Er müsse jetzt kurz in die Moschee, die ich dann vor uns liegend durch die Bäume auch entdecke, und würde uns dann in ca. 15 Minuten wieder einsammeln.

Wir steigen sehr verdutzt aus – und müssen lachen . So was gehört bei „Land und Leute“ dann eben auch ganz authentisch dazu.

Der Park ist aber ganz hübsch und hier lassen sich bequem ein paar Minuten rumbringen.

Mahmood sammelt uns dann auch wieder ein und es geht zurück über die chinesisch – maledivische Freundschaftsbrücke, die von den Chinesen zur Anbindung an den Flughafen bezahlt wurde. Auch hier wurde also chinesisches Geld in die Infrastruktur investiert, wie in so vielen anderen Ländern auch.

Auf dem Weg zurück zu unserem Startpunkt telefoniert er noch einen Freund herbei, der im Neubaubezirk wohnt und sein Auto mit zum gemieteten Parkplatz nehmen kann und Mahmood davor bewahrt, nochmal kilometerweit im Berufsverkehr hin- und herfahren zu müssen. So kann er mit seinem Motorroller ohne Umwege direkt in sein Innenstadt-Zuhause fahren . Ausgeklügelte Parkkonstrukte – und unsereins murrt, wenn der Stellplatz nicht direkt vor der Haustür liegt …..

Zurück gucken wir noch kurz den Wasserspielen am Hafen zu und entdecken ein paar Rochen im Hafenbecken, die mit den Fischabfällen vom Fischmarkt gefüttert werden.

Wie immer rettet uns unsere tolle Crew mit kalten Getränken und eisgekühlten Tüchern vor dem Hitzetod, bevor wir angefüllt mit tollen Eindrücken, die wir Mahmood zu verdanken haben, auf unser Tenderboot zurück zum Schiff steigen.

Wir wünschen Mahmood ganz viel Erfolg beim Aufbau seines Geschäfts. Er ist ein grandioser Gastgeber und hat alle, die uns von einem Besuch der Hauptstadt Male abgeraten haben, definitiv widerlegt!

Silvia

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