09. März : Dunedin – ich gehe ins Camp
Das wird unser letzter Halt in Neuseeland : Dunedin – ein Städtchen, von dem ich seeeehr lange nicht wusste, wie man es korrekt ausspricht.
Detlef und ich machen heute wieder getrennte Ausflüge : Wie auch schon beim letzten Mal will ich noch ein bisschen Kultur und Detlef in die Natur.
Mein Ausflug ist heute inoffiziell eine Tour in „The Camp“ , weil der Hausherr seine edle Behausung immer als „The Camp“ bezeichnet hat und dieses sogar im Fußboden-Mosaik seiner Eingangshalle so hinterlegt hat.

Das ist in der Tat damals wie heute einigermaßen irreführend, denn es handelt sich eigentlich um ein größeres, Burg-ähnliches Haus, das der schottische Bankier William Larnach zwischen 1871 und 1883 erbauen ließ. So dachten die meisten Besucher, die Herr Larnach ins Camp einlud, dass sie zu einer Art Zeltlager geladen seien, um dann festzustellen, dass es sich um ein recht beeindruckendes Anwesen handelt.



Der Ortsname Dunedin ist übrigens der alte schottische Name für Edinburgh und als die Schotten in den 1840iger diesen Teil Neuseelands besiedelten, vergaben sie nicht nur den entsprechenden Namen, sondern sie haben bis heute so einige schottische Spuren hinterlassen.

So auch William Larnach, der ein sehr talentierter schottischer Geschäftsmann war und sein Geld zu mehren wusste. Auf der anderen Seite mochte er aber auch die schönen Dinge, ließ diese hauptsächlich aus Italien / Venedig importieren und präsentierte sie dann seinen Gästen.





An diesem Tisch war auch schon mal der neuseeländische Premierminister zu Gast

und wenn die Besucher durch die Eingangshalle zu ihm kamen, wurden sie an einigen Stellen daran erinnert, dass sie bei einem schottischen Gastgeber eingeladen waren.




So finden sich im schon bekannten „Camp“ Mosaik zu beiden Seiten die schottischen Wildkatzen ebenso wie in der Tür-Glaskunst, aber auch die schottische Nationalblume, die Diestel.
Die heutigen Neuseeländer sind so begeistert von dem Haus, dass sie es als „Castle“ und sogar als das einzige Schloss Neuseelands bezeichnen. Das wiederum finde ich als Europäerin sehr übertrieben, aber ich bin natürlich auch anderes gewöhnt.
William Larnach ist aber leider auch ein Beispiel dafür, dass Geld allein nicht glücklich macht.
So starben seine ersten beiden Ehefrauen; er hatte 6 Kinder und die zweitälteste Tochter starb an Typhus, die dritte deutlich jüngere Ehefrau begann ein Verhältnis mit dem ältesten Sohn und all das hat ihn dann so sehr gebrochen, dass er sich das Leben nahm.
Es folgten Erbschaftsstreitigkeiten, die sehr lange dauerten und Anwälte und Gerichte reich machten, aber für die Erben nichts übrig ließen, so dass das Anwesen schließlich nach und nach verfiel.
Erst in 1967 fand sich ein privater Geschäftsmann, der Haus und Garten wieder in Schuss brachte und uns nun die Möglichkeit gibt, das einzige Schloss Neuseelands besichtigen zu können.



Wenn man übrigens nach erfolgreichem Kartenkauf die Treppe nach oben kommt, muss man an einer Tür klingeln und es öffnet ein betagter Herr, der fragt, was man wünscht. Es fühlt sich also wirklich so an, als wenn man jemanden besuchen geht und ist für einen Moment erschrocken, dass man kein Gastgeschenk dabei hat . 🙂
Natürlich gehört zu einem solchen Haus auch ein toller Park, den ich nach der Besichtigung des Hauses in all seiner Vielfalt noch sehr genieße.






Beim dazugehörigen Shop bedauere ich sehr, dass ich keine schönen Pflanzen mitnehmen kann und den Shop mit vielen tollen Dekostücken für den Garten würde ich auch am liebsten aufkaufen. Das erinnert sehr an meine Besuche in der königlichen Gartenakademie des Botanischen Gartens ….




Ich tröste mich mit einem Zimtcappucino und einem Ingwerplätzchen in der Sonne und dann müssen wir weiter und werden uns noch ein bisschen Dunedin selbst angucken.


Die Fahrstrecke führt uns wunderschön am Meer entlang.



Einer unserer Stopps ist die steilste Straße der Welt: 350 m lang mit knapp 35 % Steigung. Wir haben nur 15 min Fotostopp und unser Bus parkt alleine schon 5 min entfernt. Bis auf einen Mitreisenden nehmen alle Abstand von einem kompletten Aufstieg und ob der Schiffskollege es in der Zeit wirklich bis ganz nach oben geschafft hat … Auf jeden Fall schnauft er ordentlich, als er wieder in den Bus einsteigt.



Man kann sich in einem Geschäft ein Zertifikat kaufen, dass man die Straße erfolgreich bezwungen hat, ohne dass dies überprüft wird. Und es finden sich so einige Schummler in unserem Bus.
Ansonsten zeichnet sich Dunedin dadurch aus, dass es die älteste und größte Universitätsstadt von Neuseeland ist. So kommen auf 135.000 Einwohner ca. 35.000 Studenten. Sehr hübsche, kleine Häuser in der Innenstadt sind alles Studentenunterkünfte, da wäre so mancher deutsche Student sicher begeistert.


Heute ist Sonntag, deshalb ist die Stadt studentenleer, aber ich gehe trotzdem mal kurz ins Hauptgebäude.





Pro Semester muss ein Student an die 40.000 € Studiengebühren zahlen, das wiederum würde trotz zahlreicher Stipendien wohl einige deutsche Studenten abschrecken.
Das Highlight von Dunedin ist definitiv der Bahnhof, der immer noch ganz normal in Betrieb ist.
Draußen




wie drinnen sehr beeindruckend.




Auch die sonstige Innenstadt besitzt einige schöne Gebäude im britischen Stil.



Ich hatte einen wunderschönen, entspannten Tag in Dunedin und Larnach Castle und in mir wächst die Erkenntnis, dass ich unbedingt nochmal nach England muss, um mir dort Schlösser und Gärten anzugucken.
Zurück am Schiff angekommen steigt einem sofort wieder der Duft von Holz in die Nase. Ebenso wie gestern in Christchurch lagern tausende Baumstämme direkt neben unserem Schiff. Wer allerdings glaubt, da hätte man neuseeländische Wälder niedergemetzelt, der irrt. Es handelt sich um Holz aus Nordamerika, das nach einiger Lagerzeit weiter nach China verschifft werden soll, um dort zu Pellets verarbeitet zu werden. Die Weltlogistik geht manchmal schon merkwürdige Wege ….


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