06. März : Bay of Islands – getrennte Wege
Heute holen wir dank unseres fabelhaften Kapitäns den vor 3 Tagen wegen Zyklon Alfred ausgefallenen Stopp auf den Bay of Islands nach.
Detlef und ich gehen heute getrennte Wege. Er möchte in den Kauri-Wald und viel Natur sehen. Mich interessiert mehr die Geschichte und Kultur Neuseelands.
Mein Tag startet sehr früh im Theater um 08:15. Wir liegen mit unserem Schiff in der Bucht der Insel (Bay of Islands) und müssen nach Waitangi tendern. Dieses Mal wird die Tenderfahrt ca. 20 Minuten dauern und dann legen wir in Waitangi an.

Unweit des Piers befindet sich die Stelle, wo das heutige Neuseeland 1840 quasi gegründet wurde, denn hier wurde der Waitangi-Vertrag am 6. Februar 1840 zwischen der britischen Krone und über 500 Māori-Häuptlingen in Neuseeland unterzeichnet. Er sollte die britische Souveränität sichern und gleichzeitig die Landrechte der Māori schützen. Der Vertrag existiert in einer englischen und einer Māori-Version, die sich jedoch in wichtigen Punkten unterscheiden. Während die Briten ihn als Zustimmung zur Kolonialherrschaft interpretierten, sahen viele Māori ihn als Abkommen zur gleichberechtigten Zusammenarbeit. Dies führte zu späteren Konflikten. Heute ist der Waitangi-Vertrag ein zentrales Dokument Neuseelands und bildet die Grundlage für indigene Rechte und historische Entschädigungen.


Auf dem Areal hat man eine Art Museum / Gedenkstätte errichtet und das will ich heute erkunden. Die unterschiedliche Interpretation des Vertrags merkt man sofort während der Führung durch einen Maori auf dem Gelände. Er wird nicht müde zu betonen, dass im Gegensatz zu allen anderen Ländern, die die Briten „erobert“ haben , das Land nicht zu einem Kolonialgebiet erklärt wurde, sondern man einen Vertrag auf Augenhöhe zwischen den Briten und den Maori geschlossen hat.
Daher ist Neuseeland bis heute auch das einzige Land der Welt, welches offiziell zwei unterschiedliche Flaggen haben darf. Links die Maori-Flagge, die die 4 Hauptstämme mit den 4 Sternen anzeigt; rechts, die uns bekannte Flagge Neuseelands. Und so wehen dann also 3 Flaggen auf dem Hügel des Vertragsschlusses – Maori, UK und Neuseeland.



Auf dem Grundstück mit dem unglaublichen Ausblick auf die Bucht hatte damals die Familie Busley mit ihren 4 Kindern gewohnt und man kann das Wohnhaus inklusive Vertragsunterzeichnungsraum besichtigen.






Es gibt zunächst eine relativ kurze Einführung durch den Maori, bei dem er uns auch durch das Waldgelände führt und uns auf den Silberfarn hinweist, der den Maori unter anderem auch zur Orientierung diente. Wenn man einen „Wegweiser“ hinterlassen wollte, hat man die Farnblätter einfach umgedreht und die silbrige Seite leuchtete dann sogar perfekt in der Nacht bei Mondschein.




Dann folgt um 10 Uhr im Maori Versammlungshaus eine Haka-Zeremonie. Wir werden wiederum darauf hingewiesen, dass es sich um eine spirituelle Zeremonie handelt, bei der es nicht angemessen ist zu lachen. Auch unsere Kopfbedeckung und Sonnenbrillen müssen wir absetzen und unsere Schuhe vor dem Betreten des Raumes ausziehen.
Drinnen dürfen wir Fotos machen, aber Videos sind verboten. Aber die Haka-Zeremonie beginnt bereits vor dem Haus. Der Stammesführer wird unseren Stammesführer in sein Haus einladen, indem er einen grünen Zweig fallen lässt, den unser Stammesführer aufheben muss und dann – nach Versicherung, dass wir in friedlicher Mission kommen -dürfen wir das Haus betreten.

Ich habe ein 4 minütiges Video von der Einladungszeremonie und den vorherigen Instruktionen gemacht. Dieses ist zu groß, um es hier einzustellen. Wen es interessiert, dem kann ich es gerne per WhatsApp senden.
Nachdem wir den Versammlungsraum betreten haben, hält zunächst der Maori -Anführer eine Ansprache, die wir leider nicht verstehen und dann muss unser Stammesführer etwas sagen. Man hat einen unserer Reiseleiter zu unserem Stammesführer auserkoren und ihm ca. 3 Minuten vorher gesagt, dass er eine Ansprache halten soll. Der Arme – wir sind eine gemischte Gruppe, die Spanisch, Französisch, Italienisch, Englisch und Deutsch spricht. Und er versucht allen gerecht zu werden und erzählt sehr charmant irgendwie in allen 5 Sprachen (eigentlich kann er kein Deutsch und Französisch ;-)!), dass unser Stamm jetzt seit über 60 Tagen unterwegs ist, um diese wichtige Maori – Stätte zu besuchen und wir uns besonders beeilt und sogar einen Tag übersprungen hätten, um schneller vorort zu sein und wir uns sehr auf die Begegnung mit den Maori freuen.



Das hat er großartig gemacht – besonders weil er so spontan agieren musste. Habe mitbekommen, wie die „Einweiserin“ ihm seine Rolle erklärt hat und er aus allen Wolken gefallen ist. Augen auf bei der Berufswahl 😉 !!
Es folgt die Maori – Folklore, die ich sehr gerne gefilmt hätte, denn die Musik und der Gesang waren dieses Mal auch für europäische Ohren sehr melodiös und wirklich schön. Die Maori führen uns mehrere Stücke mit diversen „Accessoires“ vor und nach ca. 30 Minuten ist es leider schon vorbei.










Ich bin wieder überrascht – auch über die Gesichtstattoos der Frauen – und freue mich, denn dieses Mal bekommen wir nicht nur das Angebot, mit den Maoris ein Foto zu machen (mache ich sonst nie, aber dieses Mal möchte ich das besondere Ereignis festhalten) , sondern auch Fragen stellen zu können. Und so kann ich nach dem Verlassen des Gebäudes einige meiner Fragen zu Gesten und Riten beim Gitarrenspieler los werden, der nicht fotografiert werden will, wie er meinen Mitpassagieren wiederholt erklären muss.


Ich streife dann noch weiter über das Gelände, erfahre durch einen sehr eindrucksvollen Dokumentarfilm etwas über ein Maori-Batallion der britischen Armee, das im 2. Weltkrieg für die Briten ins Feld ziehen musste und von denen nur sehr wenige Maori zurückgekehrt sind, weil diese als erste an der Front „verheizt“ wurden.
Sehe aber auch um das ehemalige Wohnhaus herum tolle typische britische Gärten, in die so langsam der Herbst einzieht.






Dann will ich aber natürlich noch unbedingt den Vertrag sehen. Es ist nur eine sehr gut geschützte Replique der britischen und Maori – Version ausgestellt. Die Originale liegen in Wellington, aber ich bin dennoch beeindruckt.





In diesem Teil des Museums gibt es auch eine sehr kritische Auseinandersetzung damit, was „gleichberechtigte Zusammenarbeit“ zwischen Briten und Maori seit 1840 wirklich bedeutet hat. Sie war quasi nicht vorhanden, ganz im Gegenteil.
Erst seit Ende der 1970er Jahre kommt es nach Unruhen und Demonstrationen durch die indigene Bevölkerung immer mehr zur Integration der Maori und zur Wahrung bzw. Wiederherstellung ihrer Rechte. Da tickt Neuseeland nicht anders als viele andere Länder dieser Welt.
Ich bin auf jeden Fall sehr froh, mich für diesen Ausflug entschieden zu haben und auf diese Weise viel über dieses schöne Land, von dem ich noch zwei weitere Destinationen besuchen darf, und seine Geschichte gelernt zu haben.
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