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04. März : Tauranga / Neuseeland

04
März, 2025

Heute Nacht ging es weiter südöstlich von Auckland nach Tauranga. Rein namentlich würde ich das so in die Kategorie Südsee-Kleinode einordnen, tatsächlich hat Tauranga aber 160.000 Einwohner und ist gar nicht so klein.

Wir hätten heute auch eine private Tour mit jenen Gefährten machen können,

entscheiden uns aber doch für was Solideres, nämlich unseren vorgebuchten Stephen und seinen Skoda, der übrigens in der Tür neben einer Wasserflasche für jeden von ein kleines Beutelchen geparkt hat, inklusive hausgemachtem Brownie.

So ein Tütchen kennt jeder noch vom Kindergeburtstag – so macht man sich Freunde. Unser neuer Freund Stephen soll uns also die kommenden 4 Stunden Tauranga zeigen.

Wir starten mit einer Fahrt am Strand entlang, wo sich auf der anderen Straßenseite die dollsten Villen finden. Da muss man auch schon für unbebautes Land 5000 Euro pro Quadratmeter investieren. Aufgrund der auch in NZ immer schwierigeren wirtschaftlichen Verhältnisse sehen wir zwar so einige „For sale“ Schilder, wollen bei den Preisen dann aber doch nicht zuschlagen, obwohl Lage und Klima uns durchaus zusagen 😉

Zweiter Halt ist das Batlle Field von Gate Pa. Es geht um eine Schlacht zwischen den Maori und der britischen Armee, bei dem wenige Maori sich mit ihren bescheidenen Waffen gegen tausende brjtische Soldaten tapfer zur Wehr gesetzt hatten und passenderweise parkt genau dieses Autokennzeichen auf der Straße:

Während ich noch vor dem Eingangstor stehe, kommt eine freundliche Neuseeländerin mit Kinderwagen vorbei und weist mich daraufhin, dass auf dem Gelände auch Hinweistafeln stehen, die mir erklären werden, was auf dem Gelände passiert ist. Wirklich supernett, die Neuseeländer!

Die Maori – Schnitzereien bzw. Bildhauereien sind wirklich beeindruckend und wir lernen, dass die Maori-Kultur ganz langsam zunehmend mehr im neuseeländischen Alltag ihren Platz findet. So müssen die Kinder in der Schule mindestens in den ersten drei Schuljahren die Maori Sprache lernen und wir sehen auf den Straßen auch fast alle Schilder erst in Maori Sprache und dann in englischer Übersetzung.

Nächster Stopp ist der Besuch einer Bio-Kiwi-Plantage. Stephen kennt den Besitzer Leighton persönlich und daher wird dieser Programmpunkt exklusiv von seiner Agentur angeboten. Er selbst hilft auch gerne mal bei der Ernte aus, wenn er das Gefühl hat, mal etwas „Handfestes“ tun zu wollen.

Leighton ist Vorreiter, was den Bio-Anbau von Kiwis in NZ angeht. Er hat früher auf konventionellen Kiwi-Plantagen angestellt gearbeitet, davon auch mal 4 Jahre in Italien und als Corona kam, sich dazu entschlossen, künftig selbst eine Kiwi -Plantage betreiben zu wollen – und zwar in Bio-Qualität.

Ich sehe auf seinem Basecap und und Polo-Shirt das Zespri – Logo , das ich gut aus der Werbung kenne und erfahre, dass Zespri keine besondere Kiwi-Sorte ist, sondern eine übergeordnete Kooperation, die alle neuseeländischen Kiwis weltweit vermarket und verkauft. So teilen sich die Kiwi-Bauern die Kosten für Marketing und Vertrieb, aber auch für die Klassifizierung und auch das teilweise Pflücken ihrer Früchte. Ein großer Teil des Pflückens wird übrigens von Work & Travel Teilnehmern erledigt, die sich übers Jahr durch die verschiedenen Obst- und Gemüsesorten Neuseelands „pflügen“.

Leighton kann super viel und interessant über den Aufbau und Anbau seiner noch jungen Kiwi-Plantage berichten und wir fragen ihn auch wirklich Löcher in den Bauch. Er baut übrigens die goldenen Kiwis an und sollte ich mal im Supermarkt eine Kiwi mit der Plantagennummer : 5295 sehen, käme die von seiner Plantage. Allerdings werden seine Kiwis (noch) nicht in Deutschland vertrieben.

Als wir dann fragen, wie und wann denn entschieden wird, wann die Kiwis pflückreif sind, erklärt er uns zwar bereitwillig und detailreich das Prozedere, das in enger Abstimmung mit der Zespri gesteuert wird und auf diese Weise dann auch reife Kiwis in Deutschland ankommen lässt, bittet Detlef aber darum, seine Erläuterungen nicht zu filmen.

Auch zu finanziellen Fragen gibt er Auskunft. So hofft er, dass seine Plantagen-Investition sich spätestens nach 10 Jahre amortisiert haben wird und verrät, dass er im letzten Jahr ca. 16 Neuseeland Dollar (ca. 8 Euro) pro 3,5 kg Kiste verdient hat. Allerdings will er sich in diesem Jahr hinsichtlich Reifegrad, Farbe und Süße (und was da noch so alles gemessen wird) verbessern und hofft auf einen höheren Verkaufspreis.

Letztlich sind wir uns aber einig, dass er wohl auch keiner der künftigen Mio-Euro Strandgrundstück-Besitzer werden wird.

Leighton züchtet übrigens auch Hass-Avocados. Allerdings kann man damit noch weniger Geld als mit Kiwis machen, auch wenn mehrfach im Jahr geerntet werden kann.

Wir haben bei Leighton zeitlich schwer überzogen, aber es war einfach zu spannend.

Weiter gehts zum McLaren Waterfall Park. Hier gibt es neben einem riesigen Park mit zwei großen Seen, in dem man auch campen könnte, zwei Wasserfälle, von denen wir sozusagen einen halben besichtigen.

Dieser Wasserfall dreht zumeist donnerstags und zu besonderen Gelegenheit richtig auf, wenn der Staudamm geöffnet wird. Wir erleben kleineres, aber dennoch attraktives Geplätschere.

Jetzt könnte Stephen uns quasi aussetzen, denn unsere 4 Stunden sind abgelaufen. Aber wir fahren noch zum Historic Village , eine Art Museumsdorf, wo in restaurierten alten Häuser Kinos, Geschäfte oder Kunstausstellungen untergebracht sind.

Wir bummeln durch die Straßen, gucken uns die bunten Straßenbemalungen

und die „Incubator“ Wohnkunstausstellung an:

Tatsächlich ist es aber dann doch so wenig touristisch, dass wir nicht mal einen Magneten erstehen können.

Mittlerweile haben wir unsere Tour um mehr als eine Stunde überzogen. Wir lassen uns von Stephen in der Hauptgeschäftsstraße Taurangas in Hafennähe absetzen, schlendern noch ein bisschen durch die Läden und gönnen uns im Groovy Surfer Café eine leckere Kaffeepause mit Eisschokolade, Karottenkuchen, Käse-Scone und Bier.

Auch der Kapitän kommt in Uniform aus einem der Lädchen, hat sich auch noch rasch einen Einkaufsbummel gegönnt.

Zurück auf dem Schiff erwartet uns am Abend eine Maori -Show mit lokalen Künstlern. Das Theater ist proppenvoll und wir sind zumindest von der Show beeindruckt.

Leider verstehe ich die verschiedene Gesichtsausdrücke und für mich agressiv bis albern anmutenden Gesten bisher nicht, aber vielleicht erklärt mir das noch jemand in den kommenden Neuseeland – Stationen. Wir haben ja noch ein paar Orte vor uns.

Silvia

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