27. Februar bis 2. März : viele Seetage auf dem Weg nach Neuseeland und ein dreister Diebstahl
Wir haben jetzt 4 Seetage im Plan, um dann in Neuseeland ankommen zu dürfen. Detlef hat auf seinen Wetterkarten, die er regelmäßig kontrolliert, schon einige stürmische Anzeichen vor Neuseeland entdeckt, hoffentlich lassen die uns nicht zu sehr schaukeln.
Und ich benötige die Seetage auch dringend : Die Wäsche stapelt sich, ich bin mit meinem Blog fast eine Woche im Rückstand, Fotos müssen gesichtet und gesichert werden, mein Maileingang läuft über hinsichtlich Organisation privater Ausflüge, ein paar Verwaltungsdinge zum Leben in Berlin warten auf Erledigung. Los geht’s!
Und dann gibt es wie jeden Tag zur Mittagszeit die Durchsage von Kapitän Sarcinella und einen Dämpfer. Aufgrund des Zyklons Alfred – eigentlich ein ganz freundlicher Name – über Nordaustralien und Neukaledonien müssen wir leider unsere Route ändern und ordentlich Gas geben, um bereits am 03. März sicher in Auckland anzukommen. Eigentlich war Bay of Islands als erster neuseeländischer Hafen am 04. März vorgesehen.
Doppelt schade! Jetzt fehlen mir für meine anstehenden Tätigkeit satte 24 Stunden und außerdem hätte ich Bay of Islands wirklich gerne gesehen, weil hier sozusagen Neuseeland gegründet wurde und ich mir in einem Museum die dazugehörigen Dokumente angucken und ein bisschen mehr über Neuseelands Geschichte erfahren wollte.
Der Kapitän verspricht aber, zumindest zu versuchen, ob er Bay of Islands nicht nach Auckland und Tauranga doch noch unterbringen kann.
Nun gut, das Wetter kann man nicht ändern und meine Lust , von einem Zyklon über die Wellen gewirbelt zu werden, ist definitiv überschaubar.

Ich mache mich also ans Werk, ich habe zu tun!
Mittags fängt uns unser Tischnachbar Klaus ab und erklärt irgendwie ein bisschen geheimnisvoll, dass es ihm wichtig wäre, wenn wir heute Abend alle gemeinsam im Restaurant essen würden. Wir bestätigen, dass wir vorhätten im Restaurant und nicht am Buffet zu essen und vergessen das Ganze eigentlich auch gleich wieder.
Am Abend ist unser Tisch als einziger zusätzlich mit Sektgläsern eingedeckt und ich verdächtige insbesondere Klaus, irgendwas damit zu tun haben; er versichert aber glaubhaft, dass er keine Ahnung habe. Der Mann sollte Poker spielen. Zum Nachtisch legt dann unser allerbester Lieblingskellner Milan ein „Ding“ in die Tischmitte, bei dem ich auf den ersten Blick kurz an eine Handgranate denke, beim 2. Blick entpuppt es sich aber als Mini-Lautsprecher-Box. Die Sache wird immer mysteriöser.

Plötzlich dringt aus dem Teil ein italienischer Schnulzensong aus den 80ern und Klaus‘ Gattin Julia ringt um Fassung. Sie und Klaus haben sich vor exakt 50 Jahren auf einer Sportfreizeit bei diesem Lied kennengelernt und nie wieder losgelassen. Sie selbst hatte aber gar nicht mehr daran gedacht, weil sie gar nicht so genau wusste, welchen Tag wir eigentlich haben.
Ach herrjeh, ich bemühe mich, nicht vor Rührung lauter zu schluchzen als die Jubilarin, aber auch meine männlichen Tischnachbarn haben Tränchen in den Augen.
Es wird eine Herz-Torte mit der Aufschrift „50 Jahre zusammen Julia und Klaus“ serviert, die wir dann zum zweiten Nachtisch mit einem Gläschen Schampus niedermachen.
Eine tolle Überraschung, die besonders Milan gestaltet hatte, entsprechend Klaus groben Vorstellungen. Das besonders bemerkenswerte ist, dass Klaus wirklich kein Wort Englisch spricht und sie das gemeinsam mit Google Translator ausgeheckt hatten. Was Technik heute alles möglich macht!!
Die nächste besondere Gegebenheit wartet am Abend des 28. Februar. Wir werden in den nächsten Stunden die Datumsgrenze passieren.

Ursprünglich war das für den 02. März vorgesehen, da Alfred uns nun aber zwingt, Gas zu geben, wird das schon am 01. März der Fall sein – d.h. der 01. März wird schlicht nicht stattfinden. Eigentlich ja egal, wenn nicht unser Lieblings-Milan ausgerechnet am 01. März Geburtstag hätte und der wird nun ausfallen. So haben wir uns das nicht gedacht. Aber gut, ein kleines Geschenk und Glückwünsche wird er dann eben am 02. März erhalten.
Da haben wir aber die Rechnung ohne unseren Nachbartisch gemacht. Die haben beschlossen, Milan bereits am 28.02. zu feiern und ihm eine Torte besorgt, eine kleine Gitarre mitgebracht und singen ihm ein Ständchen.
Glücklicherweise habe ich sein kleines Geschenk schon eingepackt und husche schnell nach oben .
Dann kommen auch noch seine Kollegen mit der üblichen Geburtstagspolonaise und allem, was an Küchengerät Lärm macht und es erklingt mittlerweile zum 3. Mal ein Geburtstagslied. Der junge Mann ist wirklich beliebt !
Detlef hat in der Zwischenzeit immer kräftig die Kamera draufgehalten, so dass Milan sein „Hochleben“ dann auch noch festgehalten hat und mit seiner Frau zumindest per WhatsApp teilen kann.
Und um Mitternacht ist es dann soweit, wir werden um einen Tag bestohlen! Und das wird gefeiert wie Silvester 🙂
Kann mich nicht erinnern, jemals einen 2. März so fröhlich begrüßt zu haben!

Für heute habe ich auf jeden Fall lange genug durchgehalten – ich muss ins Bett!
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