Zum Hauptinhalt springen

15. Februar : Hanga Roa / Osterinseln

15
Feb., 2025

Ich bin soooo gespannt, werden wir es wirklich auf die Osterinseln an Land schaffen? Ungefähr die Hälfte der Kreuzfahrtschiffe muss leider aufgeben, denn sie schaffen es nicht, sicher mit den Tender-Booten in den Hafen zu kommen.

Noch ist es dunkel draußen, das Wasser sieht einigermaßen ruhig aus , das sollte doch klappen. Ich werde immer zuversichtlicher, als ich höre, wie die Tenderboote zu Wasser gelassen werden.

Treffen für unseren Ausflug ist im Theater um 07:30 Uhr. Wir müssen bis 08:15 Uhr warten, bis unsere Nummer aufgerufen wird und dann geht es weiter sehr langsam durch den Rumpf des Schiffes, um zum Tenderboot zu gelangen.

Wie bereits im täglichen Newsletter angekündigt, sollen die Tenderboote nicht so voll geladen werden, denn die Wassertiefe am Steg soll sehr überschaubar sein.

Mittlerweile ist es bereits hell draußen und man kann sehen, dass es vor allem kleine Felsen sind, die aus dem Wasser ragen, die sowohl die Fahrt an Land als auch das Anlegen wohl erschweren werden.

Die Strecke zum Land erscheint übersichtlich weit, aber es ist das erste Mal in meinem Kreuzfahrtleben, dass wir für ein Tenderboot einen Lotsen an Bord nehmen müssen.

Selbiger wirkt wie direkt aus dem Film „Fluch der Karibik“ entsprungen.

Da der Bootsführer und der Lotse sich leider auf keine gemeinsame lebende Sprache zur Verständigung einigen können, muss es eben mit Händen und Füßen gehen. Hier ist schon die Tenderfahrt ein kleines Abenteuer.

Und dann setze ich tatsächlich meine Füße auf die Osterinsel! Hurrahhhhh!

Diese hat ihren Namen übrigens daher, weil holländische Seefahrer in den 1720er die Insel betraten und dies genau zu Ostern. So wurde sie Osterinsel getauft. Sie hat die Form eines Dreiecks und besteht aus drei Vulkanen und hauptsächlich Lavagestein und sie ist unglaublich grün und wunderschön!

Wir fahren mit einem Kleinbus quasi das Dreieck und machen an drei Stationen Halt.

Als wir bei unserer Fahrt zum ersten Besuchspunkt an der ersten kleinen Moai-Statue vorbeifahren, rollt dann auch hinter meiner Sonnenbrille ein kleines Freuden-, Dankbarkeits-, Demuts-, Fassungslosigskeitstränchen! Ich bin wirklich hier!!!

Unser Guide Maka ist Sohn einer Schweizer Mutter und eines Rapa Nui Vaters und man merkt ihm sofort an, wie wichtig es ihm ist, dass die Besucher der Insel der Kultur der Rapa Nui den entsprechenden Respekt entgegenbringen.

Die Insel besteht hauptsächlich aus dem Nationalpark, für den man ca. 80 USD Eintritt zahlen muss und den man auch nur mit einem lokalen Guide betreten darf. Alle paar hundert Meter steht ein Ranger, der aufpasst, dass wirklich nur die angelegten Pfade betreten werden

Wir starten am Rano Raraku Trail. Ein Rundgang durch ein Gebiet, wo sich mehrere stehende, aber auch liegende Moai Statuen finden. Diese sind teilweise übrigens bis zu 21 m groß, aber oft eingegraben.

Ursprünglich waren die Moaii teilweise farbig angemalt, hatten alle Augen und trugen einen Hut – genannt Pukao. Alle Statuen, die wir an diesem Tag sehen werden, sind restauriert worden, da sie während eines großen Erdbebens mit 9,5 auf der Richterskala und dem darauffolgenden Tsunami im Jahr 1960 großen Schaden genommen und umgestürzt waren. Man hat übrigens nur ein einziges Auge unter den Trümmern gefunden und weiss nicht wirklich, was mit den anderen Augen passiert ist.

Überhaupt weiss man nur sehr wenig über die Geschichte der Rapa Nui. Vieles wurde über Lieder und Geschichten von Generation zu Generation weitergegeben. Und hinsichtlich der Moai Statuen nimmt man an, dass sich die Herrscherfamilien eine solche Statue gegönnt haben.

Der Berg, an dem wir stehen, scheint quasi eine Art Vorproduktion für Moais gewesen zu sein. Man sieht einige liegende Moais, die noch nicht fertig aus dem Gestein gelöst sind. Niemand weiß, warum plötzlich die Produktion der Statuen gestoppt wurde.

Auch ist es völlig unklar, wie die Statuen transportiert wurden. Man vermutet, dass man Seile um die Statue gebunden hat und dann wie einen Kühlschrank, Ecke für Ecke vorwärts bewegt hat.

Nächste Station ist Tongariki. 15 Moai stehen am Meer, gucken aber direkt auf die Insel – vielleicht um die Insel zu schützen ?

Wirklich sehr eindrucksvoll!!

Letzte Station ist Anakena. Hier steht die erste Statue, die von Thor Heyerdahl 1956 ausgegraben und aufgestellt wurde. Ausserdem weitere 5 Moai .

Anakena besitzt aber auch den einzigen 300 m langen Sandstrand der Osterinseln. Der mit vielen Palmen künstlich angelegte Ort wirkt wirklich einladend und bietet kleine Erfrischungen. Aber mal wieder haben wir keine Zeit und müssen sofort weiterhetzen, denn die nächste Ausflugsgruppe wartet schon auf Maka am Hafen.

Unterwegs begegnen uns immer wieder wilde Pferde und Rinder mitten auf der Straße und auch freilaufendes Geflügel sehen wir ganz häufig.

Maka liefert uns nach 3,5 Stunden wieder am Hafen ab und kaum, dass wir ausgestiegen sind, prasseln einige kurze tropische Regenschauer auf uns herab. Wir erstehen noch ein paar kleine Erinnerungsstücke am Hafen und besteigen wieder das Tenderboot zurück zum Schiff.

Mittlerweile ist der Seegang etwas stärker geworden und der Ausstieg am Schiff gestaltet sich sehr schaukelig.

Gut gefallen mir auch die Mitpassagiere, die sich unbedingt an den offenen Ein-/Ausstieg des Tenderbootes setzen müssen, um bessere Fotos machen zu können und dann die großartige Besatzung unfreundlich anpferzen, sobald ein bisschen Gischt oder ein paar Regentröpchen die zarte Haut oder Kleidung benetzen – gggrrrr!

Das Tendern ist für die Besatzung wirklich Schwerstarbeit – die Boote jeweils einigermaßen stabil zu halten und uns alle sicher rein- und rauszuhieven – meistens wirklich nur mit Muskelkraft – Hut ab! Die haben 10 Stunden lang wirklich alles gegeben.

Der Kapitän wird in seiner täglichen Ansprache am nächsten Tag auch nochmal explizit seiner wunderbaren Crew für die harte Arbeit danken. Mehr als verdient!!!

Ich kann jetzt sehr gut verstehen, warum die Hälfte aller Kreuzfahrtschiffe sich dieses Prozedere schenken! Und bin umso dankbarer, dass ich die Gelegenheit hatte, diese eindrucksvollen Moai live bewundern zu dürfen.

Silvia

Kommentare (2)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Popular Articles

Heute nun also Namibia ! Irgendwie hat sich dieses Land bisher nicht so gut be…
Unsere Einfahrt in den Hafen von Kapstadt findet leider noch im Dunkeln statt…
Heute kommen wir nach 4 Seetagen in Südafrika an. Die Einreiseformalitäten kli…