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09. Februar : Valparaiso – oder Nebel des Grauens?

09
Feb., 2025

Als ich um 6 Uhr morgens aufwache, sind wir noch auf dem Meer, aber es ist draußen so neblig, dass man kaum die Hand vor Augen sehen kann. Okay, unser privater Guide, den wir für diesen Tag ganztägig in Valparaiso gebucht haben, hatte mich bereits vorgewarnt und vorgeschlagen, unseren Ausflug erst um 10 Uhr starten zu lassen, damit der Morgennebel sich dann schon verzogen haben könnte.

Wir nähern uns Valparaiso, aber die Nebelsituation wird nicht wirklich besser. Statt wie geplant um 8 Uhr anzulegen, gibt es eine Durchsage, dass der Hafen aufgrund des Nebels gesperrt wäre und wir jetzt erstmal auf einen Lotsen warten müssen. Um 9 Uhr die Durchsage, dass der Lotse für 10 Uhr geplant wäre und man dann um 11 Uhr anlegen könnte. Das Prozedere zieht sich im Stundentakt hin und mittlerweile sind wir bei 12 Uhr Lotse und 13 Uhr anlegen – aber mittlerweile nebelfrei ….

Ich halte unseren Guide über jede Änderung per WhatsApp Nachricht auf dem Laufenden und hoffe, dass er den Auftrag nicht irgendwann abbricht. Bezahlt ist er ja schon. Aber noch scheint er einigermaßen gelassen.

Mein deutsches Organisationsgen hingegen läuft Amok. 13 Uhr anlegen bedeutet frühstens 14 Uhr von Bord, dann erstmal noch mit einem Shuttle-Bus zum Hafen-Terminal und den Shuttle wollen ja alle Passagiere gleichzeitig … Wenn der Guide pünktlich Feierabend machen will, bleibt da nicht mehr viel Zeit für Sightseeing übrig.

Letztlich legen wir erst um 13:30 Uhr an und um 14:15 steht die Infrastruktur, damit die Passagiere das Schiff verlassen können und alle Mitreisenden drängen zum Ausgang. Unser ursprünglicher Plan war, die folgenden Orte zu erkunden : Valparaiso, Vina del Mar und Con-Con.

Unser Guide Hector ist durch meine WhatsApp Nachrichten stets up to date und macht was ??

Er macht sich nützlich! Sucht sich einen tollen Platz auf einer Anhöhe und filmt unser in den Hafen einfahrendes Schiff und schickt uns ausserdem ein Video, welchen Weg unser Shuttle-Bus durch den Container Hafen bis zum Kreuzfahrt Terminal nehmen wird. Großartig! Wir konnten logischerweise noch nie unsere Ankunft in einem Hafen selbst filmen (Drohnen sind nahezu überall auf Schiffen verboten!) und haben so schon mal die erste schöne Erinnerung aus Valparaiso. Das Orginalvideo ist übrigens 2 min lang 🙂 !

Und Hector bleibt großartig! Er empfängt uns mit Vorab-Selfie im Hafen-Terminal, besteht nicht auf seinem pünktlichen Feierabend um 17 Uhr, sondern fragt uns, ob wir besondere Wünsche haben und betont mehrfach, dass dies unser Tag sei und wir ihn so gestalten können, wie es für uns am besten passt. Und das alles in allerbestem Englisch, denn er hat 10 Jahre in New York gelebt.

Zunächst fahren wir langsam durch die Stadt und erfahren auch hier etwas über die Immigrationsgeschichte von Chile und die europäischen Einflüsse auf das Land und die Stadt Valparaiso im Besonderen. Noch einige Gebäude zeugen von der z. T. wenig ruhmreichen Geschichte der Europäer, ansonsten gibt es „Downtown“ aber nicht so besonders viel zu sehen.

Daher geht es auf mehrere der 42 Hügel, auf denen Valparaiso gebaut ist. Puh, geht das steil rauf und runter und um allerengste Kurven! Ich bin mehr als froh, dass Hector gebürtiger Valparadisoianer ist und hier wirklich jede Ecke kennt. Frage aber dennoch vorsichtig nach, in welchen Abständen er denn die Bremsen seines Autos überprüfen lassen würde. 🙂

Für jede Art von Fahrzeug, die über die Größe eines durchschnittlichen SUVs hinausgeht, ist es hier unmöglich zu fahren. Daher fahren sogenannte Collectivo – Autos durch die Straßen, die man unterwegs anhalten kann und die einen dann gegen ein geringes Entgelt innerhalb der Viertel von A nach B bringen.

An die steilen Straßen werden teilweise sogar Rutschen für die Kinder gebaut, die diese mit großer Freude nutzen.

Unser nächstes Ziel ist eines der Wohnhäuser von Pablo Neruda, dem Literatur-Nobelpreisträger. Der liebte das Meer und hatte sich daher Häuser mit tollen Ausblicken gesichert. Hatte aber Angst vor Wasser und Zeit seines Lebens nie schwimmen gelernt.

Hier stimmt der Ausblick auf jeden Fall!

Wir fahren weiter durch die Hügel und stoppen an einem der 7 Aufzüge, die noch in Betrieb sind, Passanten in die oberen Straßen bringen und auch zum UNESCO Weltkulturerbe gehören.

Hector fordert uns auf, mit dem Aufzug weiter nach oben zu fahren, stattet uns mit zwei 100 Peso-Münzen aus und will uns oben nach einigen weiteren Blocks Spaziergang wieder einsammeln. Trotz meiner Höhenangst ist die Aufzugnutzung ein Highlight.

Im obereren Teil der Stadt angekommen bummeln wir mit Hector durch die wunderschönen bunten Hügel.

Hector liebt es Fotos und Videos mit uns zu machen und gibt uns Standort-Anweisungen, was der jeweils optimale Spot ist. Ich finde das manchmal geglückt, manchmal muss man uns eher suchen – siehe die Piano-Treppe 🙂 . ER gibt auf jeden Fall alles.

Wir können uns gar nicht satt sehen an den bunt bemalten Häuser-Fassaden und es fällt schwer, eine Auswahl der hier einzustellenden Bilder zu treffen. Die Fotos könnten ein ganzes Buch füllen. Zum Teil sind es nur Fantasie-Malereien, manchmal wird das Übel der Welt dargestellt – siehe der blonde Herr im blauen Anzug mit roter Krawatte ….

Wir stöbern auch in kleinen Galerien und Geschäften. Hector bleibt in der Zwischenzeit draußen und erklärt anderen Touristen in allen möglichen lebenden Sprachen die Schönheiten von Valparaiso. Er ist wirklich mit Leib und Seele Touristenführer .

Danach geht es weiter mit dem Auto nach Vina del Mar, quasi die Riviera der Gegend. Der Bezirk hat lange nicht so viel Charme wie Valparaiso, ist aber am Sonntagnachmittag / – abend sehr gut gefüllt an den Stränden und auf den Straßen. Wir kommen auch noch an der berühmten Blumenuhr vorbei, wo sich auch seehr merkwürdige Gestalten tummeln.

Es ist Zeit für einen Abend-Snack. Wir einigen uns auf ein kleines Cafe am Wasser im Bezirk Con-Con, das 30 verschiedene Sorten Empanadas serviert. Das Essen ist lecker – wir probieren verschiedene Sorten – und auch die Dekoration an den Toiletten ist „interessant“.

Dann müssen wir langsam zurück zum Schiff.

Auf Hectors Anfangsfrage nach unseren Sightseeing-Wünschen, hatte ich geantwortet, dass ich mir wünsche, die Original-Moai Statue von den Osterinseln zu sehen, die in Valparaiso ausgestellt ist.

Ich finde diese Figuren sehr faszinierend und es ist mir ein Rätsel, wie diese Figuren zur damaligen Zeit mit den verfügbaren Mitteln hergestellt und auch transportiert werden konnten.

Natürlich hoffe ich darauf, noch viel mehr Figuren bei unserem Stopp auf den Osterinseln zu sehen. Aber leider gelingt es nur ca. 50 % der Kreuzfahrtschiffe tatsächlich tendern zu können, da die Witterungsverhältnisse und der daraus resultierende Wellengang dies oft nicht erlauben.

Es gibt aber weltweit 6 Städte jenseits der Osterinseln, die eine Originalstatue geschenkt bekommen haben. Dazu gehört eben auch Valparaiso.

Hector hatte auf meinen Wunsch geantwortet, dass die Erfüllung desselben von der Verkehrslage abhängig sei. Da wir schon einige Zeit im Stau an der „chilenischen Riveria“ zugebracht hatten, habe ich die Statue bereits abgeschrieben und hoffe auf die Osterinseln.

Aber Hectors Ehrgeiz, seine Kunden glücklich zu machen – und überhaupt betrachtet er uns nach seinem Bekunden inzwischen mehr als Familienbesuch aus Deutschland – lässt ihn dann doch zur Statue fahren und ich bin sehr berührt und verkneife mir ein Freudentränchen, als ich dem Moai del Ahu live gegenüberstehe.

Hector choreographiert auch hier noch ausdauernd unsere Fotos – ein ernstes , ein fröhliches und ein Küsschen-Foto mit der Statue!

Mittlerweile ist es 20:45 Uhr und es geht zurück zum Hafen. Hector muss noch ca. 2 Stunden zurück nach Santiago de Chile fahren. Er ist bereits seit 6 Uhr auf den Beinen, weil wir ja eigentlich gegen 10 Uhr gemeinsam starten wollten. Er will noch kurz ein Power-Napp im Auto halten und sich dann mit starkem Espresso gedopt auf den Heimweg machen. Kurz vor Mitternacht schickt er noch kurz ein kleines Video von sich auf der Autobahn im Stau.

Er hat wirklich alles gegeben und uns einen tollen Tag bereitet. Der Nebel war ehrlich gesagt kein Grauen, sondern wir hatten Glück, spät gestartet zu sein, denn so hatten wir insbesondere in den oberen Bezirken Valparaisos einen viel schöneren Blick.

Am Hafen angekommen drückt Hector mich nochmal herzlich (ist mir auch noch nie mit einem Guide passiert, aber wir sind ja jetzt Familie) und ausgestattet mit einem guten Trinkgeld kann er dann seine Heimfahrt antreten.

Morgen geht es dann auch für uns sehr früh nach Santiago de Chile! Gute Nacht!

P.S. Fun-Fact am Rande : Unser sehr verspätetes Anlegen hatte eigentlich gar nichts mit dem Nebel zu tun, sondern damit, dass es für uns keinen freien Liegeplatz am Pier gab. Erst als ein MSC – Containerschiff einen Platz freimacht, können wir in den Hafen einfahren und anlegen. Das konnten wir auf marine traffic prima verfolgen und auch unsere stets gut informierte FB-Gruppe hatte dies bereits über die externen Guides an Land erfahren. Na ja, dem Passagier muss ja nicht immer alles brühwarm offiziell erzählt werden. Hauptsache, wir erleben kein ähnliches Szenario in Sydney.

Und in unserem heutigen Fall war das Ganze ja sogar für uns von Vorteil!

Silvia

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