29. Januar : Puerto Madryn oder große Füße
Während der letzten zwei Tage haben wir versucht, uns zu regenerieren, unsere bunten und vielfältigen Eindrücke von Buenos Aires zu sortieren und kommen heute Morgen in Puerto Madryn an.
Nach vielen Eindrücken aus den Großstädten der letzten Tage freue ich mich heute auf Natur und besonders auf die angekündigten Pinguine, die ersten auf unserer Weltreise. Alison hatte uns in einer unserer Morgen-Sessions bereits ein bisschen auf diesen Hafen-Stopp eingestimmt. Allerdings finde ich als große Pinguin-Freundin folgende Folie der Präsentation sehr ungehörig :

Wir haben wieder einen privaten Ausflug gebucht, der uns nach Punto Tomba bringen soll, der größten Pinguin-Kolonie Südamerikas. Nach kurzer Zeit merken wir, dass Vicente nicht nur unser Fahrer ist, sondern der eigentliche Guide und Florenca dabei ist, um seine Ausführungen auf Englisch zu übersetzen, da Vicente leider nur Spanisch spricht. Punta Tomba liegt 2 Stunden Fahrzeit von unserem Hafen entfernt und Vicente gibt alles, um unbedingt vor den MSC-Ausflugsbussen dort einzutreffen, damit wir die Pinguine ganz in Ruhe bewundern können.


Florenca hat aber auch Touristik studiert und erklärt uns, dass die Ureinwohner dieser Gegend besonders groß gewesen sein und damit auch große Füße gehabt haben sollen. „Große Füße“ soll wohl Pata Gonia“ heißen und deshalb wurde der Landstrich analog dem Land der Großfüßler : „Patagonien“ bezeichnet.
Aber es warten noch mehr große Füße auf uns , nicht nur die der Pinguine.
In der Provinz Chubut, die wir gerade durchqueren, wurden viele Fossilien und auch Dinosaurierknochen gefunden, u. a. vor erst 6 Jahren der größte Dinosaurier – Oberschenkelknochen, der je weltweit gefunden wurde. Der Originalknochen wurde natürlich sofort wissenschaftlich ausgewertet und daraus dann eine entsprechend passende komplette Dinosaurier-Replik gefertigt, die jetzt an der Autobahn steht und besichtigt werden kann. Für den Originalknochen wurde das hiesige Naturkundemuseum umgebaut und gerade erst im Januar neu eröffnet. Selbiges ignorieren wir, legen aber wenigstens bei der Replik einen Stopp ein.



Während Vicente nach dem Zwischenstopp ordentlich Gas gibt, zaubert er zwischendurch unter seinem Sitz noch ein Stück Seelöwen-Fell hervor, ausserdem einen halben Eckzahn eines See-Elefanten, den dieser beim Kampf mit einem männlichen Rivalen eingebüßt hatte und der richtig schwer ist. Ausserdem dürfen wir ein Stück getrocknete Haut eines gestrandeten Wals befühlen. Vicente scheint ebenfalls ein halbes Naturkunde-Museum unter seinem Sitz zu transportieren und weiß sehr viel zu den Fundstücken zu erzählen. Leider übersetzt Florenca aber sehr zusammenfassend. 🙁


Nach knapp einer weiteren Stunde Fahrt kommen wir in Punto Tomba an. Als erstes führt Vicente uns durch ein kleines Museum. Wir können z. B. mal befühlen, wie weich sich Pinguin Gefieder anfühlt und sehen eine Zeichnung von Ferdinand Magellan, der die dann später nach ihm benannten Pinguine gezeichnet hatte. Diese ähnelten aber wohl eher Enten und wurden daher erst später Pinguinen zugeordnet. Also ich finde sie eigentlich recht gelungen ….





Dann geht’s aber endlich ins Naturreservat und zu den Pinguinen!
Die männlichen Exemplare kommen jedes Jahr im September zu diesem Platz, um das jeweilige Nest vorzubereiten. Im Oktober folgen dann die Weibchen. Nach einem fröhlichen Beieinander werden dann gemeinsam die bis zu 2 Eier bebrütet und die Küken schlüpfen im November / Dezember. Bis April ziehen dann beide Elternteile den Nachwuchs groß und dann startet die große Reise, bevor man im September / Oktober wieder zurückkehren wird.
Wir werden also hoffentlich auch noch einiges an Nachwuchs bewundern dürfen. Insgesamt leben auf diesem riesigen Gebiet bis zu einer Million Pinguine – allerdings abhängig von der Geburtenrate des jeweiligen Jahrgangs.
Insgesamt dürfen wir ca. 3 km dieses Gebiets besuchen und dabei die Pinguine aber möglichst wenig stören. Selbige haben immer Vorfahrt und dürfen selbstverständlich weder berührt noch gefüttert werden, während sie einem gerne mal ein bisschen vor die Füße laufen.



Und wirklich ein Pinguin Nest neben dem anderen ! In manchen findet sich der Nachwuchs, der auf den Lunch wartet. Manchmal ist aber auch nur ein erwachsener Pinguin vor oder in der Nesthöhle. Einige laufen uns direkt über den Weg. Viele suchen aufgrund der Hitze aber auch Schatten und lagern unter Sträuchern oder den Bohlen für den Spazierweg.






Am Wasser finden sich auch jede Menge Exemplare, die auf Nahrungssuche ins Wasser tauchen wollen.
Gemeinsam mit den Pinguinen leben auch viele Guanacos auf dem Gelände, letztere sind super vorsichtig und achten darauf, die Pinguin-Nester nicht zu beschädigen.


Meine schönste Begegnung ist natürlich die mit einem kleinen Pinguin auf dem Pathway, wo wir beide uns fröhlich unterhalten und auch für Detlef nimmt er sich ein bisschen Zeit und ist überhaupt nicht scheu.


Nach ca. 1,5 Stunden machen wir uns dann auf den Rückweg. Gerade rechtzeitig, denn nun treffen 4 Busse mit Ausflügen unserer Mitreisenden ein!
Zurück nimmt sich Vicente etwas mehr Zeit bei der Fahrt durch die patagonische Steppe, hält sich an die Verkehrsregeln und setzt uns eine Stunde später als geplant am Hafen ab.


Wir erstehen noch zwei Magnete – ganz überraschend in Pinguin-Form – und beschliessen, nicht mit dem kostenfreien Shuttle auf dem langen Pier zum Schiff zu fahren, sondern zu laufen. Und wir werden belohnt.
Auf den Stufen einer der Schiffsanleger haben es sich mehrere Seelöwen gemütlich gemacht. Wir sind begeistert!


Ausserdem bekommen wir noch die folgenden hübschen Gesellen zu sehen:



Ein begeisternder Tag in Patagonien! Wie immer ein bisschen ungläubig angesichts der wunderschönen Erlebnisse starten wir jetzt mit einem sehenswerten Sonnenuntergang in Richtung Malvinas – das sind die Falkland-Inseln, die wir am Freitag erreichen werden.


Na da sind ja endlich deine Lieblingstiere hautnah, das war mega schön, dabei sein zu können.
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