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25. Januar : Buenos Aires – Tango, Steaks und breite Straßen

25
Jan., 2025

Nach zwei Seetagen, die gefüllt waren mit ersten Chorproben, „Haushalt“, Blog schreiben, einer mitreißenden Beatles-Show und anderen kulturellen und kulinarischen Abwechslungen, kommen wir überraschend bereits um 7 Uhr morgens in Buenos Aires an.

Mehr als drei Stunden früher als geplant. Hoffentlich hat uns nicht schon wieder ein medizinischer Notfall zum mehr Gas geben gezwungen. Nahezu täglich gibt es bisher kleine Abweichungen von der Route, verspätete Abfahrten, weil Menschen aufgrund eines medizinischen Notfalls entweder noch an Land oder auf See von Bord gebracht werden müssen. Auch sehen wir an Bord immer wieder einige lädierte Passagiere. Klopf auf Holz – hoffentlich bleiben wir gesund und für alle anderen schnelle Genesung und im besten Fall eine Fortsetzung der Reise!

Heute haben wir unseren inkludierten MSC Ausflug, der uns durch die Stadt geführt hätte, „upgegraded“ ,und wollen das Tigre Delta in der Provinz Buenos Aires im Umland besuchen. Es soll eine Bootsfahrt auf dem Fluss Parana durch das Delta geben. Wir rüsten uns mit reichlich No-Bite Spray an Körper und Kleidung – definitiv nicht mein Lieblingsgeruch ….

Nach 1,5stündiger Fahrt erreichen wir den Ort Tigre und sind super enttäuscht, weil wir nicht mit hübschen kleinen offenen Booten fahren werden, die dort reichlich vorort sind, sondern in ein geschlossenes Boot mit dreckigen Scheiben steigen müssen.

Wir erhalten an Bord einige Erläuterungen über das Delta und die Gegend. Hier suchen die besser betuchten Argentinier ihre Sommerfrische – entweder dauerhaft oder zumindest am Wochenende. Es gibt auch eine Art Freizeitpark für Ausflügler und landschaftlich wirkt das Ganze wie irgendwas zwischen Venedig und Schären – nur eben leider mit diesem unattraktiv wirkenden braunen Flußwasser.

Wir sind nur so semi-begeistert, gucken noch San Isidro in der Nachbarschaft an und sitzen dann wie auf heißen Kohlen, weil wir dringend zum Schiff zurück müssen, um noch pünktlich zu unserer privat gebuchten Tango Show zu kommen.

Um 19 Uhr soll der Fahrer uns am Schiff einsammeln und erst um 18:30 Uhr sind wir wieder zurück am Schiff, um uns zumindest noch kurz umzuziehen, denn mit unserem verschwitzten, nach Mottenkugeln stinkenden Nobite-Outfit (zudem noch komplett überflüssig, denn nicht eine einzige Mücke hätte auch nur angedacht, sich auf unser hermetisch abgeriegeltes Boot zu verirren!) wollen wir nicht in die Show.

Aber wir schaffen es noch pünktlich und hoffen auf eine Steigerung unserer Buenos Aires Begeisterung während des anstehenden Events.

Marcel holt uns ab, spricht leider kaum Englisch, aber wir können uns zumindest soweit verständigen, dass er seine Telefonnummer rausrückt und so eine meiner Horrorvisionen abschwächt, die darin besteht, dass wir aus irgendeiner zwielichtigen Ecke der Stadt nicht wieder aufgelesen werden.

Die Ecke wirkt zwar nicht zwielichtig, aber liegt doch recht versteckt. Es scheint sich um irgendwas zu handeln, was zu einem Hotel gehört, allerdings gelangen wir erstmal nur in eine sehr lange Galerie und von unserer Tango Location keine Spur.

Nach einigem Suchen finden wir dann aber doch das entsprechende Etabilissement, das ausreichend plüschig und rot möbliert ist, um meine argentinische Tango-Klischee Vorstellung perfekt zu bedienen. Selbst die Toiletten und Waschräume führen dieses Klischee fort 😉

Die heutige Veranstaltung beinhaltet zunächst ein 3 Gänge-Menü und dann eine Tango-Show. Das Rating für beides im Internet ist hoch und wir sind gespannt.

Das Essen – natürlich als Hauptgang mit einem argentinischen Steak – ist wirklich lecker! Der Malbec – der berühmte argentinische Rotwein – wird ständig nachgegossen, hier ist man nicht geizig!

Hier können wir die hohe Bewertung zu 100 % unterstützen.

Dann folgt eine 90minütige Tango-Show. Ich gebe zu, ich bin skeptisch. Ich erwarte ein Tango tanzendes Paar, das sein Metier sicherlich beherrschen wird, aber ist das abendfüllend? Auf jeden Fall freue ich mich schon mal zu sehen, dass es eine kleine Bühne für 5 Live Musiker gibt : Contra-bass , Klavier, Cello, Schlagzeug und NATÜRLICH Bandoneon! Wohl keine Musik vom Band!

Der ganze Tango-Club ist sehr klein. Direkt schräg vor mir die Bühne für die Tänzer. Hinter mir die Theke der Bar und bereits beim Betreten des Clubs werde ich daraufhingewiesen, dass die Tänzer wohl nicht nur auf der Bühne bleiben werden, sondern auf hinter mir im Raum tanzen können.

Es startet die Show – und die ist einfach unbeschreiblich – so viele Paare, Tänzer jeden Alters, so unterschiedliche Arten, den Tango zu interpretieren , alles direkt um uns herum

Es wird der ganze Raum genutzt, auf der Theke getanzt, so tolle Kostüme, richtig gute Musiker, ausserdem 2 umwerfende Sänger – die Show könnte noch viiiiiel länger dauern.

Das Sahnehäubchen für mich ist, als einer der Tänzer auch noch direkt neben mir Saxophon spielt und gemeinsam mit einer Tänzerin unglaublich schön performed.

Es ist auf jeden Fall das Komplettpaket für alle Sinne! Und ich habe leider gar nicht genug Adjektive, um das Erlebnis einigermaßen würdig zu beschreiben … Aber es wird auf jeden Fall in Erinnerung bleiben.

Richtig berauscht – und am allerwenigsten vom sehr leckeren Malbec – gehen wir aus der Show.

Auch auf Marcel ist Verlass und er bringt uns zurück zum Schiff. In diesem Hafen ist es Pflicht, mit einem Shuttlebus das Hafengelände zu durchqueren, aber auch der Shuttle fährt noch regelmäßig. Mit uns steigt auch der Kapitän mit ein paar Kollegen ein – dieses Mal im lässigen Privatoutfit (die Italiener wissen wie es geht !! ) – und sehr sympathisch setzt er sich nicht zu seinen Kollegen, sondern zu einem älteren Gast im Rollstuhl und startet einen Plausch über die Abendaktivitäten.

Ich habe mich hier ja schon als Fan-Girl geoutet und bleibe es weiterhin!

Aber jetzt muss ich dringend ins Bett – morgen wird auch nochmal ein langer Tag und wir wollen uns Buenos Aires als Stadt angucken.

Silvia

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