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19. Januar : Salvador da Bahia / Brasilien

19
Jan., 2025

Eigentlich müsste man mich kneifen. Nach 4 gemütlichen Seetagen legen wir heute um 08:00 Uhr tatsächlich in Brasilien an. Für mich das erste Mal Brasilien, das erste Mal Südamerika.

Wir haben heute wieder eine private Tour gebucht. Um 9 Uhr werden wir von Monia, unserer Guide und Fabrizio, unserem Fahrer, in einem sehr gut klimatisierten Fahrzeug abgeholt.

Zunächst empfängt uns aber eine bunte Folklore-Gruppe am Hafen. Das macht sofort gute Laune und der erste Eindruck wird sich bestätigen. Alles wirkt so bunt und quirlig. Schade, dass die Kriminalität wohl aber doch sehr hoch sein soll. Ohne die ganz klar von Monia vorgetragenen Sicherheitsregeln würde ich mich gar nicht unsicher fühlen. Alles sieht so unbeschwert aus und fühlt sich auch so an!

Tatsächlich wird an vielen Ort in der Stadt getanzt – oft finden sich Capoeira Gruppen oder auch tatsächlich „Samba -Übungsgruppen“ für jedermann, um für den anstehenden Karneval im Februar gut vorbereitet zu sein, was die neuesten Samba-Choreographien angeht. Auch Monia nutzt jede Gelegenheit während wir Fotos machen und schwingt die Hüften.

Sie beschreibt ihre Rolle während des Karnevals als zur Fraktion des „Popcorns“ zugehörig, dabei handelt es sich um das feierwütige gemeine Fußvolk, dass tanzend die Wagen bejubelt. Und weil es dabei sehr heiß und springend zugehen soll, bezeichnen sich die Feiernden als Popcorn, das aufpoppt wie heiße Maiskörner.

Monia feiert aber nicht nur gerne und führt seit 25 Jahren stolz Touristen in sehr gutem Englisch durch ihre Heimatstadt, nein, sie ist in der anderen Hälfte ihres Lebens auch noch Anwältin.

Das hatten wir auch noch nie – auf jeden Fall eine super Mischung. Sie erzählt uns viel über die Geschichte Brasiliens und natürlich insbesondere über Salvador da Bahia, die ursprünglich Hauptstadt Brasiliens, ordnet für uns die Geschichte des Sklavenhandels, geht mit uns in eine Fotogalerie, berichtet über den Schmelztiegel afrikanischer unfreiwilliger Zuwanderer bedingt durch die Sklaverei und über die Vermischung der afrikanischen und der katholischen / protestantischen Religionen.

Sie zeigt uns die schönste Plätze der Stadt und die schönsten Ausblicke:

Aber auch über den aktuellen Alltag dürfen wir sie alles fragen. Sie scheint jeden der fliegenden Händler und kostümierten Frauen zu kennen, hält sie soweit auf Abstand wie nötig, erklärt aber auch zeitgleich mit deren Hilfe die Bedeutung der dargebotenen Bänder, Ketten, Kostüme, etc. Besser hätten wir es nicht treffen können.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG-20250119-WA0227.jpg

Heute ist Sonntag, da zieht es viele Einheimische an die Strände und es wird der gesamte Tag dort verbracht. Um das auch kulinarisch zu unterstützen, werden fliegende Küchen an den Stränden aufgebaut., Stühle und Schirme vermietet. Alles wirkt irgendwie improvisiert, aber fröhlich. Oder man geht zunächst am Sonntag in die Kirche.

Wir besichtigen zwei der 365 (!) Kirchen in Salvador von innen; gefühlt steht wirklich an jeder Ecke eine große Kirche. Beide sind sehr eindrucksvoll dekoriert und in der ersten, der Kathedrale von Salvador, ruhen wir uns ein paar Minuten aus auf einer der hinteren Bänke, da gerade eine Messe in der proppenvollen Kirche abgehalten wird.

Übrigens hatte der oben abgebildete Bischof nicht ganz so viel Glück. Auf den Namen „Sardine“ hörend wurde er direkt bei Ankunft in Salvador von dem damals z.T. noch aus Kannibalen bestehenden Volksteil der Ureinwohner verspeist. Ob der Name Einfluss darauf hatte, dass die Wahl auf ihn fiel, vermag heute keiner mehr zu sagen.

Die zweite Kirche gehört zum einem Franziskanerkloster, das aktuell noch genutzt wird und wir sehen wunderschöne blaue Kachelkunst, die in diesem Fall aber nicht wie angenommen portugiesischen Ursprungs ist, sondern in Delft – Niederlande gefertigt wurde. Ausserdem wurden in der Kirche insgesamt 800 kg Blattgold verdekoriert, alles glitzert und man weiss gar nicht, wo man zuerst hingucken soll. Für meinen Geschmack etwas zu viel, aber die Kirche wird heute noch gerne für Trauungen und andere feierliche Anlässe genutzt, allerdings muss man für die Buchung dann schon mal mit ca. 1.200 € kallkulieren.

Leider ist heute nicht so doll mein Tag, diese tropischen Temperaturen schlagen mir auf den Kreislauf, bei dem Sonnenstand ist künftig auch eine Kopfbedeckung angesagt und die Einnahme einer Blutdruck-Tablette gilt es bei diesen Temperaturen auch zu überdenken. Ich breche die Besichtigung daher vor dem Ende ab und lasse mich vom Fahrer zum Schiff zurückbringen. Nachdem ich dann schon in den gekühlten Räumen des Schiffes bin, zeigt der Messstand immer nur noch :

Das muss unterwegs noch deutlich weniger gewesen sein, aber so langsam kommen die Lebensgeister zurück.

Detlef zieht mit Monia noch ein Stündchen weiter durch die Altstadt, schaut beim Drehort von Michael Jackson’s Video zu „They don’t care about us“ vorbei und macht einen Abstecher in die Markthalle, um den obligatorischen Magneten zu besorgen.

Heute Abend wird eine lokale brasilianische Gruppe im Theater auftreten. Hoffentlich ist die Vorstellung ebenso bunt wie unsere Erlebnisse heute in Salvador. Wir sind auf jeden Fall von diesem Stopp außerordentlich begeistert! So kann es weitergehen!

Nachtrag : Die Vorstellung ist zwar sehr bunt und es ist toll, dass im Hintergrund auf Leinwand die frischen Eindrücke von Salvador zu sehen sind, allerdings in diesem künstlichen Ambiente nicht halb so mitreißend, wie wir es live auf den Straßen gesehen haben.

Silvia

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