14. Januar : Mindelo auf Sao Vicente / Kapverden
Nach drei Seetagen haben wir heute das erste Mal wieder festen Boden unter den Füßen auf den Kapverdischen Inseln – hier in Mindelo auf Sao Vicente.
Dieses Mal liegen wir in einem idyllischen Naturhafen mit wunderbarem Ausblick und ganz nahe beim Stadtzentrum.





Die Kapverden bestehen aus 10 Inseln und Mindelo auf Sao Vicente ist quasi die kulturelle Hauptstadt der Kapverden und hat wohl das attraktivste „Stadtzentrum“


Es gibt 2 Märkte, einen mit frischen Produkten und einen, auf dem Kleidung und Souvenirs angeboten werden. Allerdings alles völlig jenseits meiner europäischen Vorstellung solcher Lokationen, besonders der Lebensmittel-Teil sieht doch sehr eingeschränkt aus. Übrigens habe ich alle einheimischen Personen, die auf den Fotos abgebildet sind, vorab um ihr Einverständnis gebeten.







Das wird insbesondere in den afrikanischen Destinationen sehr spannend und lehrreich für mich werden. Hier in Mindelo gibt es quasi keinen ÖPNV und man sieht auf den Straßen ausserhalb des Zentrums so einige recht bepackte Einwohner oder Schüler, die gefühlt von nirgendwo nach nirgendwo laufen.
Unser Fortbewegungsmittel ist für heute gesichert : Tony wird uns die Insel zeigen.

Er hat es nicht so mit geschichtlichem Wissen – aber das kann man ja ggf. auch selbst nachlesen und ehrlicherweise merke ich es mir ohnehin eher selten – dafür erzählt er uns viel über Land & Leute sein Leben auf der Insel, seine Familie, seine Träume in die USA zu seinen Brüder auszuwandern, da seine persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten auf der Insel doch sehr beschränkt sind.
Er bietet Inseltouren in 4 verschiedenen Sprachen an und hat je nach Buchungslage und Saison durchschnittlich ein Einkommen von 600 € monatlich; ausserhalb der Saisaon arbeitet er als „normaler“ Taxifahrer. Bis auf eine Thunfisch-Konserven Fabrik gibt es keinerlei Industrie auf der Insel und auch fast keine Alternative auf den Nachbarinseln und die Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Landwirtschaft, Fischerei und im Tourismus. Sein privater Suzuki ist bald 30 Jahre alt , glücklicherweise hat er in jungen Jahren eine Art Ausbildung zum KFZ-Mechaniker gemacht und kann so einiges selbst richten.
Die Straßen sind erstaunlich gut auf der Insel – wohl auch EU-gefördert, denn es gibt so einige Kooperationen mit Portugal und Frankreich , aber man sieht fast auch nur kleine Busse oder Taxis mit Touristen, die die Kreuzfahrtpassagiere befördern, keine Privatfahrzeuge. Allerdings treffen wir immer wieder auf Ziegenherden am Straßenrand oder auch die Straße kreuzend.

Das Klima auf der Insel ist konstant eher sommerlich – so um die 25°C mit leichtem Wind – seeehr angenehm.
Wir erkunden die Insel : ein völlig zerfallenes Fort und den Monte Verde mit 730 Metern und genialem Ausblick – auf der Spitze wurde ein kleines Cafe errichtet und die Betreiber müssen mangels Wasseranbindung dann einfach draußen mit mitgebrachtem Wasser abspülen.






Weiterhin viele bunt gestrichene Häuser im Fischerdorf Salamansa, eine gigantische Seebrücke in Baia des Gatas mit Festivalgelände und eine traumhafte Straße entlang relativ grüner Oasen mit schicken Häusern von zumeist europäischen Immigranten.






Zum Mittagessen kehren wir ins Restaurant „Hamburg“ in Calhau ein. Tatsächlich wurde es vor einigen Jahren von einem Hamburger eröffnet, der sich mittlerweise aber zur Ruhe gesetzt hat und einheimische Angestellte für sich arbeiten lässt.
Auch hier zuckt mein europäisches Wohlgefühl angesichts des ersten Eindrucks beim Betreten der überdachten Terrasse. Ein bisschen beruhigt mich, dass ich andere Kreuzfahrt-Passagiere, die sich auch privat zu Ausflugsgruppen gefunden haben, entdecke.


Nachdem wir dann Platz genommen haben, die Essenreste unserer Vorgänger weggeräumt und dadurch auch die Anzahl der Fliegen reduziert und die Tische abgewischt sind, wirkt alles dann doch sehr sauber. Auch die sanitären Einrichtungen sind tipp-topp in Ordnung!
Wir wählen aus der bebilderten Speisekarte : Detlef Kotelett, ich frisch gefangenen gebratenen Thunfisch mit Beilagen und unser Guide schließt sich mir an. Ich lerne, dass auf Sao Vicente die Währung der Wahl Euros und nicht USD sind. Leider haben sich nur 2×20 und 1x 10 € in meine Börse verirrt. Wir haben auf USD gesetzt. Wir wollen unseren Guide einladen und ihm eigentlich auch noch sein Trinkgeld in Euro geben. Hoffentlich reichen unsere Barbestände!
Da das Restaurant voll belegt ist, müssen wir eine Weile auf unser Essen warten und sind super überrascht über das frische, appetitlich angerichtete Essen auf schönem Geschirr. Und es ist für jeden eine Riesenportion – bei mir 2 riesige Scheiben frisch gebratene Thunfisch-Steaks und mega lecker!!! Zusätzlich kommt noch eine Riesenplatte frisch geschnitzter frittierter Pommes – alles ausnehmend köstlich! Meine Hoffnungen, dass unsere Euro-Bestände reichen, schwinden! Ich bitte um die Rechnung und reibe mir nach Erhalt verwundert die Augen : für unsere 3 Gerichte inklusive Getränke erwartet man von uns 21,50 € ….. Ich gebe 30 € und so bleiben sogar noch 20 € für unseren fröhlichen Tony übrig!


Nach 6 Stunden liefert Tony uns wieder beim Schiff ab. Wir haben einen interessanten Eindruck von der Insel und dem Leben auf den Kapverden erhalten. Landschaftlich und klimatisch gefällt uns die Insel wirklich gut, für einen Urlaub ist sie uns aber zu weit weg und wir wüssten auch nicht, was man hier ausser baden noch machen könnte. Das kann man auch mit weniger Flugstunden finden.
Am Hafen werden wir mit Getränken und kühlen Tüchern empfangen.

Bevor wir wieder zurück aufs Schiff gehen, suchen wir am Kai noch die „Markierung“ unseres „pretty little ships“ . Das ist hier Tradition, dass sich die Kreuzfahrtschiffe an dem Betonstählen verewigen. Unsere Maler scheinen dieses Mal eher aus dem Handwerks-, denn aus dem künstlerischen Bereich zu kommen . Da sehen andere Einträge hübscher aus 😉



Abends lassen wir das Theater ausfallen und suchen bald die Horizontale, die ständigen Zeitumstellungen findet mein Schlafrhythmus nur so semi gut … und morgen früh wartet ja schon wieder Alison um 08:45 im Theater mit Informationen über Brasilien auf uns!
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